Oldenburg - An die Beete, fertig, los! Andrea Pohl schnappt sich einen Spaten und sticht die Abmessungen einer rechteckigen Fläche in den Boden. Vorsichtig trägt die 28-Jährige die obere Schicht der Grasnarbe ab. Christian Maucke (28) und Thomas Büter (46) schleppen Säcke mit Saaterde in Bioqualität. Anke Kleyda (51) und Klaus Hien (64) verteilen die Pfanzerde mit Harken – der Anfang für das erste Beet im „Bunkergarten“ zwischen dem Musik- und Literaturhaus „Wilhelm 13“ und dem ehemaligen Luftschutzbunker an der Leo-Trepp-Straße ist gemacht.
Interview zur Bedeutung von „Urban Gardening“
Schon im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung dieses Areal als erste öffentliche Fläche fürs „Urban Gardening“ zur Verfügung gestellt. Das gemeinschaftliche Gärtnern war indes auf die Zeit von Ende Juli bis Ende September 2014 beschränkt. Daher konnten fast alle Pflanzen nur in mobilen Säcken und Kübeln gedeihen und mussten danach wieder abgeräumt werden. Diesmal wird der Gemeinschaftsgarten sesshaft: Die Stadt überlässt den „Bunkergarten“ jetzt per Gestattungsvertrag für fünf Jahre der Organisation Slow Food Deutschland, die als Vertragsnehmer fungiert.
Die Stadtgärtner um Slow Food-Vertreter Klaus Hien waren auch während der Wintermonate nicht untätig. „In diesem Jahr haben wir gemeinsam beschlossen, alte Sorten anzubauen“, berichtet Hien. Unter anderem wird Scheerkohl, von Slow Food auf die „Arche des Geschmacks“ hinübergerettet, ausgesät. Auch Johannisbeeren, Stachelbeeren, Tomaten, Kohlrabi und Grünkohl werden angebaut.
Grüne Revolte erwächst im Schrebergarten
Die Samen aussäen und ziehen durften die Bunkergärtner bei der Gärtnerei Cordes, die einen Teil ihres Gewächshauses zur Verfügung stellte. Nach Ostern wurden die Pflanzen in die Obhut der VHS-Jugendwerkstatt gegeben, um nun endlich in die Erde des Bunkergartens gebracht zu werden. 112 Ballen mit Aussaaterde hat die Firma Floragard gesponsert. Neben den Beeten werkeln Andrea Pohl und ihre Mitstreiter auch an einer Kräuterspirale aus Klinkersteinen und an einem Stützgestell für Tomaten. „Mir macht die Arbeit total viel Spaß, ich engagiere mich gerne ehrenamtlich“, lacht die 28-Jährige, die u. a. im Vorstand der niedersächsischen Naturschutzjugend aktiv ist.
Offiziell eröffnet wird der „Bunkergarten“ am Dienstag, 26. Mai, ab 16 Uhr. Baudezernentin Gabriele Nießen will mit dabei sein. Für die Gäste gibt es eine Überraschung. Klaus Hien verrät nur so viel: Es hat mit der Oldenburger Palme zu tun. Für die zweite Saison plant Slow Food eine intensivere Zusammenarbeit mit dem „Wilhelm 13“ und der benachbarten Synagoge. Unter anderem sei ein Kochevent in Vorbereitung, kündigt Hien an.
Für ihn ist der – flächenmäßig relativ kleine – Gemeinschaftsgarten weit mehr als ein Ort des Säens und Erntens: „Der Gemüseanbau ist auch Ausgangspunkt politischen Handelns für die, die den ungehinderten und ungenierten Zugriff auf die Ressourcen der Welt in Frage stellen.“ Die Bunkergärtner zeigen praktisch, wie es besser laufen könnte mit der Lebensmittelproduktion. Ihr Motto: Sie fangen schon mal an. Gemeinsames Gärtnern findet immer donnerstags ab 15 Uhr statt.
