Bösel/Husbäke - Naturfreunde wissen es seit langem: Das 1700 Hektar große Naturschutzgebiet Vehnemoor, das im Norden der Gemeinde Bösel und im Süden der Gemeinde Edewecht liegt, zeichnet sich durch eine besondere Flora und Fauna aus. „Der Wert des Vehnemoores als Naturschutzgebiet und seine Artenvielfalt werden leider noch völlig unterschätzt“, sind sich der Diplom-Biologe Hergen Erhardt, Thomas Apitzsch und der Ornithologe Mathias Wolterink von der Interessengemeinschaft (IG) zur Rettung des Vehnemoores einig. Das Moor sei eine große, unzerschnittene Hochmoorfläche, so Mathias Wolterink. Obwohl noch nicht einmal die Hälfte der Abbauflächen renaturiert sei, sondern noch stark von Torf- bzw. Landwirtschaft genutzt werde, gehöre das Vehnemoor zu den artenreichsten Vogelgebieten.
So hätten ornithologische Beobachtungen ergeben, die seit Jahren erfolgten, dass über 80 Vogelarten das Moor als Brutplatz, Rastplatz oder für die Nahrungssuche nutzten, darunter seien sogar rund 20 Vogelarten, die vom Aussterben bedroht oder gefährdet seien.
Festzustellen sei, dass gerade die wieder vernässten Flächen dazu beitrügen, dass insbesondere auch die Zahl der gefährdeten Vögel bzw. Vogelarten steige. Flora und Fauna explodierten förmlich auf wieder vernässten Flächen. Eine internationale Bedeutung habe das Vehnemoor seit einigen Jahren zudem als Gastvogellebensraum. Im Frühjahr und im Spätherbst würden Hunderte von Zugvögeln (zum Beispiel Kraniche und Gänse) das Vehnemoor als Schlafplatz aufsuchen. Vieles deute sogar darauf hin, dass der Kranich im Vehnemoor brüten werde.
Als große Gefahr für die Vogelwelt wird von der IG der geplante Windpark am Husbäker Hogenset (Kreis Ammerland) angesehen, der auf Flächen entstehen soll, die direkt ans sogenannte Barwische Meer des Vehnemoores grenzen. Die Flächen seien nach der Ammerländer Potenzialstudie für Windkraftanlagen besonders geeignet.
Laut Ornithologe Wolterink würde ein Windpark nicht nur die größte Feldlerchenpopulation im Vehnemoor, Kornweihen und Brachvögel als Brutvögel gefährden. Eine Gefahr stellten Windkraftanlagen auch für Zugvögel wie den Kranich, den extrem seltenen Südlichen Goldregenpfeifer, Uferschnepfen und andere Vögel dar, weil diese meist auf Höhe der Rotorblätter ins Moor einflögen.
Zwar sei für den Windpark, den die EWE plane, die Vogel- und Fledermauspopulation untersucht worden, ergänzt Hergen Erhardt. Berücksichtigt worden sei bei diesen Untersuchungen jedoch nicht, dass die Abtorfung im Barwischen Meer 2015 ende und sich die Vogelwelt auf den wieder vernässten Flächen noch artenreicher entwickeln werde. Den guten Entwicklungschancen des gesamten Moores trage man viel zu wenig Rechnung, so Wolterink.
Schutzbemühungen für das Vehnemoor, das eines der größten Schutzgebiete Norddeutschlands sei, müssten dringend intensiviert werden, fordern alle drei IG-Mitglieder. Dazu gehöre auch der Verzicht auf den Windpark Husbäke.
