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Von Birte Tripke
Frage:
Frau Ahlers, der Landfrauenverein Wildeshausen-Dötlingen hat in diesem Jahr sein 60-Jähriges Bestehen gefeiert. Was waren 1949 die wichtigsten Gründe, den Verein ins Leben zu rufen?
Ahlers:
Wir wollten den Bäuerinnen helfen, sich in der Gesellschaft zurecht zu finden.
Frage:
Inwiefern?
Ahlers:
Wir wollten das Image der Bauersfrauen verbessern. Die Frauen auf dem Land brauchten Weiterbildung für den bäuerlichen Haushalt. Und sollten vollständige Mitglieder der Gesellschaft werden. Die Kluft zwischen Stadt und Land war sehr groß. Es ging auch immer schon darum, die gegenseitige Achtung vor einander zu stärken
Frage:
Wie war das Leben damals auf dem Land?
Ahlers:
Es war für die Frauen zum Beispiel nicht selbstverständlich zu wissen, was die Ehemänner auf dem Konto hatten – wir waren abhängig von dem Betrieb, der ja den Männern gehörte. Viele Bauersfrauen hatten nicht mal Geld, um sich selbst Strümpfe zu kaufen. Ich selbst hatte Glück: Mein Schwiegervater war fortschrittlich und zahlte mir ein Gehalt, das war entscheidend für mich.
Frage:
Wie sah es denn auf anderen Betrieben aus?
Ahlers:
Die jungen Bauersfrauen wurden meist von ihren Schwiegermüttern ziemlich unterdrückt. Aber unsere Schwiegermütter kannten es ja auch nicht anders von ihren Schwiegermüttern...
Frage:
Was waren die Themen bei den ersten Treffen der Landfrauen?
Ahlers:
Es ging um Ferkelaufzucht, Kindererziehung oder Gartenarbeit wie zum Beispiel Baumschnitt. Erst ganz allmählich kamen andere Themen hinzu.
Frage:
Wie haben denn die Männer auf den neu gegründeten Verein reagiert?
Ahlers:
Eigentlich sehr positiv. Es war ja gang und gäbe, dass sich die Männer untereinander trafen, zum Beispiel mit der Molkerei- oder Viehgenossenschaft oder zur Jagd. „Wenn die Landfrauen Versammlung haben, ist keine Frau im Dorf“, haben sie gesagt.
Frage:
Was hat sich in den vergangenen 60 Jahren beim Landfrauenverein verändert?
Ahlers:
Das Miteinander hat sich verändert. Es sind heute alles Frauen, die sich dem Lande zugehörig fühlen. Wir sind auch politisch in der Gesellschaft wichtig. Auf unsere Stimme kommt es an – bei jeder Wahl.