Falkenburg - „Ein Haus wird von den Menschen, die dort leben, gestaltet“, betont Pastor Uwe Mletzko, Geschäftsführer der mission:lebenshaus gGmbh. Andreas Wagner-Neidig, Pflegedienstleiter des Laurentius-Hospiz, hat „zu jedem Menschen eine Geschichte“ vor Augen. Und seine Stellvertreterin Monika Ahlers erzählt von den „lieben schrägen Typen“ mit Ecken und Kanten. Ein Gast brachte sogar seine alte Couch mit. Den Teppich habe ihm das Personal ausreden können.

Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bilanz, die die Verantwortlichen ein Jahr nach der Eröffnung des Laurentius-Hospiz in Falkenburg zogen. Seit der Eröffnung wurden 125 Gäste aufgenommen. Die „Verweildauer“ sei unterschiedlich: Eine Frau sei bereits am ersten Tag verstorben. Ein Gast verstarb am Sonnabend nach 229 Tagen. Das sei allen „sehr nah gegangen“, erklärte Wagner-Neidig am Dienstag vor Journalisten.

In der Regel kommen die Bewohner aus einen 50-Kilometer-Radius um Oldenburg. Die Mitarbeiter des Hospizes, darunter 17 Pflegekräfte, seien um eine schnelle und unkomplizierte Aufnahme bemüht. „Wir erleben die Familie oft in einer existenziellen Lage“, so Wagner-Neidig, „da wollen wir die Bürokratie von ihnen fernhalten.“ Das Haus wende sich dem Leben zu, ohne das Sterben zu verschweigen. Die Tür sei für Außenstehende, die sich informieren wollen, stets geöffnet. „Das ist hier eine große Familie“, ergänzte Dr. Stefan Heimann, Vorsitzender des Fördervereins. Dieser müsse jährlich 76 000 Euro an Spenden einwerben, um den Betrieb zu sichern.

Das bodenständige Hospiz sei in der Region gut vernetzt. Für Schüler des Klinikums Delmenhorst und des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg ist das Haus eines der Ausbildungsstationen. Am 1. September starte erstmals eine Teilnehmerin ins Freiwillige Soziale Jahr. Wenn der Personalbestand vollzählig ist, möchte man das Ehrenamt ausbauen. Denn gerade die verschiedenen Bedürfnisse der Gäste stellten eine enorme Herausforderung dar.

Trotz der mehr als 80-prozentigen Auslastung warnte Mletzko vor einer vorschnellen Erweiterung. Dies würde den Charakter des Hauses erheblich verändern. Er riet zudem, die Akzeptanz eines Hospizes der Johanniter, das Anfang 2014 in Bremen-Nord eröffnet wird, abzuwarten. Im übrigen sei das Haus in Falkenburg längst noch nicht komplett. So kann sich der Pastor etwa einen Strandkorb fürs Außengelände vorstellen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent