Am Sonntag wird im „Alten Rathaus“ der „Bökerschapp“ eingeweiht. Im Zuge der Vorbereitungen hatte ich viel mit dem Hausherrn Rolf Schütze zu tun. Dass er der Direktor der regioVHS ist, war mir nicht entgangen, aber sonst wusste ich nicht sehr viel über ihn. Eine Lücke in seinem sonst so vollen Terminkalender habe ich schnell genutzt, um mich ausführlich mit ihm zu unterhalten.
Rolf Schütze ist 1953 geboren und in der Nähe von Osnabrück aufgewachsen. Seine Eltern waren als Selbstständige in der Kfz-Branche tätig. Da seine Eltern im Geschäft sehr eingebunden waren, verbrachte der kleine Rolf viel Zeit bei seiner Oma Auguste. Schon als Kind war Lesen für ihn eine große Leidenschaft. „In der Schulbücherei war ich Stammkunde“, erzählt Rolf Schütze mir. Eines seiner absoluten Lieblingsbücher aus dieser Zeit war „Gepäckschein 666“.
Durch die berufliche Veränderung seiner Eltern zog Familie Schütze nach Münster, wo Rolf das staatliche Gymnasium besuchte. „Dort hatte ich eine klassische humanistische Ausbildung, unter anderem mit Latein und Altgriechisch. Wichtige Voraussetzungen für den Beruf des Pastoren“, so Rolf Schütze. Dieser Beruf kam für ihn nicht in Frage, obwohl er sich in der evangelischen Jugendarbeit sehr engagierte. Hier machte ihm die Organisation der diversen Veranstaltungen besonders viel Spaß. „Von diesen Erfahrungen habe ich lange profitiert“, verrät Rolf Schütze mir.
Sein organisatorisches Talent nutzte er auch, um sich während der Schulzeit sein Taschengeld aufzubessern. So organisierte er die Verteilung von 10 000 Bildkalendern in Münster. Vom Eintüten über Frankieren bis hin zur Einteilung der Verteiler lag alles in seinen Händen. Auch hier konnte er sein Organisationstalent erfolgreich unter Beweis stellen.
Mit 16 Jahren durfte er ein Moped fahren, was er auch mit Begeisterung auslebte. Als die Bundeswehr in Varel zwölf gebrauchte Motorräder verkaufen wollte, war Rolf Schütze zur Stelle. Er erwarb diese Motorräder, brachte sie wieder auf „Chic“ und verkaufte sie dann mit Gewinn. Seinem Vater gefiel die Geschäftstüchtigkeit, aber die Hoffnung, dass sein Sohn einen kaufmännischen Beruf erlernen würde, erfüllte sich nicht.
Schon frühzeitig war Rolf Schütze klar, dass sein berufliches Ziel die Erwachsenenbildung sein sollte. So studierte er nach dem Abitur von 1973 bis 1978 in Münster Pädagogik und Soziologie. Hier lernte er auch seine spätere Ehefrau Christel kennen. Sein Praktikum machte er an der Volkshochschule (VHS) Tecklenburger Land. Um schon Berufspraxis zu sammeln, war er zum Ende seines Studiums an einigen Volkshochschulen als Dozent tätig. Dieses brachte ihm vielleicht den entscheidenden Vorteil bei seinen Bewerbungen. Denn direkt nach dem Studium wurde er im Mai 1978 stellvertretender Leiter der VHS Ibbenbüren – und das mit 24 Jahren.
Im Frühjahr 1981 blätterte er wie gewohnt in einer überregionalen Tageszeitung und entdeckte eine Stellenanzeige der VHS in Ganderkesee. Gesucht wurde ein neuer Leiter. Auf seine Bewerbung hin wurde Rolf Schütze mit einigen anderen Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Da er zu dieser Zeit gerade 27 Jahre alt war, machte er sich keine großen Hoffnungen. Dementsprechend locker trat er vor die Kommission und vertrat seine Standpunkte deutlich. Dieses couragierte Auftreten beeindruckte die Auswahlkommission besonders. Rolf Schütze erhielt zu seiner eigenen Überraschung den Job. Die Sache hatte einen Haken: „Wie sage ich es meiner Frau?“ Sie lag nach der Geburt von Sohn Thomas noch im Krankenhaus, als er bei seinem nächsten Besuch sagte: „Übrigens, wir ziehen nach Ganderkesee“.
Diesen Schritt hat Familie Schütze (1984 wurde dann noch Tochter Eva geboren) nie bereut. Ganderkesee wurde ihre neue Heimat. Beruflich hat Rolf Schütze in den bisher 31 Jahren die VHS Ganderkesee kontinuierlich erweitert und immer den zeitlichen Bedürfnissen angepasst. „Ich hatte stets Glück mit meinen Vorgesetzten, die mir immer den nötigen Freiraum gelassen haben“, so Rolf Schütze.
Die 80er- und 90er-Jahre waren auch in der VHS Ganderkesee geprägt durch das Zeitalter des Computers. Viele Besucher der VHS bekamen hier EDV-Grundkenntnisse vermittelt.
Die Arbeit mit dem Computer ist für Rolf Schütze zum großen Hobby geworden. Gibt es noch weitere Hobbys?, wollte ich gerne wissen. „Mein Mercedes R 107 aus dem Jahre 1983“, antwortet Rolf Schütze – und ich sehe bei dieser Antwort das Leuchten in seinen Augen. Allerdings steht dieses zweisitzige Cabrio nicht in Ganderkesee, sondern in seinem zweiten Haus in der Nähe von Osnabrück, das einmal seiner Großmutter gehörte. Vor einiger Zeit standen dort Umbau-und Renovierungsarbeiten an, und hier konnte Rolf Schütze ein weiteres Hobby voll entfalten, die Architektur. „Ich gestalte für mein Leben gern“, erzählt er mir. „Ich habe noch viele Ideen für unser Haus hier in Ganderkesee und das bei Osnabrück“.
Beruflich wie auch privat sprüht Schütze vor Ideen und sucht neue Herausforderungen. Dabei habe ich seine Aktivitäten im Rotary Club Delmenhorst-Geest, bei GanterArt und im Freundeskreis Kulturhaus Müller noch nicht einmal erwähnt.
