Rodenkirchen - Starke Farben machen fröhlich. Ob Rot, Blau oder Gelb: Die Oberschülerinnen arbeiten gerne damit. Eine verteilt großzügig mit breitem Pinsel Gelb, eine andere tunkt ihren Zeigefinger in einen Eimer Blau.
Patrick Bruns findet das gut. Der 20-Jährige ist Geselle bei Maler Marcel Koopmann uns sagt: „Spaß an der Arbeit mit Farbe ist eine Grundvoraussetzung für unseren Beruf.“ Die scheint hier gegeben zu sein. Eine andere Mindestvoraussetzung lässt noch ein wenig auf sich warten: der Hauptschulabschluss. Patrick Bruns, der gerade einen Ausbilder-Lehrgang absolviert, will dennoch die Schülerinnen und Schüler so früh wie möglich für seinen Beruf interessieren – ehe die sich für die Industrie interessieren.
Deshalb ist das Rodenkircher Unternehmen einer von 13 Arbeitgebern, die sich bei der zweiten Berufsinformationsbörse der Oberschule Rodenkirchen vorstellen. Henning Reimers, Fachbereichsleiter Wirtschaft, und der Berufsstartbegleiter Jörg Nass haben sie eingeladen.
Tapezieren lernen
Koopmanns Konkurrenz wirbt im Werkraum. „Der Farbgeber“ aus Nordenham lässt die Schüler mit einem Pinsel exakte Linien ziehen und Tapeten ankleben. „Das ist eigentlich ganz einfach“, sagt Nils Warnken (15), der zusammen mit seinem Zwillingsbruder Sven eine neunte Klasse besucht.
Gleich nebenan steht eine große blaue Mercedes-Zugmaschine mit 410 PS. Das Nordenhamer Transport-Unternehmen Stührenberg hat sie mitgebracht. Der Ausbildungsleiter Dietmar Klitscher erklärt den Schülern die Aufgaben eines Berufskraftfahrers. Wer das werden will, muss 17 Jahre alt sein, einen Autoführerschein haben und „geistig in der Lage sein, einen 40-Tonner zu steuern“, sagt der Auszubildende Marian Tülp. Er ist 17 und schätzt an seinem Beruf die Vielfalt der Touren und Transportgüter.
Die Industrie ist auch vertreten. Bei Rehau schneiden die Schüler Gewinde. Das ist das Erste, was sie in der Ausbildung lernen, sagt Fabian Matzke. Der 17-Jährige ist Auszubildender im ersten Lehrjahr. Für die meisten Lehrberufe ist ein Realschul-Abschluss Voraussetzung.
Persönlichkeit überzeugt
Wer es mit guten Noten nicht so hat, kann Thorben Heinen mit seiner Persönlichkeit überzeugen. Heinen ist Personalleiter bei der Firma Thieling in Augustgroden, die mit 140 Mitarbeitern zweitgrößter Arbeitgeber in Stadland ist. Thieling weitet die Ausbildung aus und stellt in diesem Jahr 10 junge Leute ein mit dem Ziel, sie dauerhaft an das Unternehmen zu binden.
„Den schönsten Beruf, den Sie sich aussuchen können“, glaubt Ines Mannagottera bieten zu können: Verwaltungsangestellter bei der Kreisverwaltung. Der 17-jährige Jannik Ruland ist Auszubildender im ersten Lehrjahr und macht einen mehr als zufriedenen Eindruck. Er lernt jeden Fachdienst kennen – alle drei Monate einen anderen. Einstellungsvoraussetzung sind ein Realschul-Abschluss mit guten Deutsch- und Mathematik-Noten und eine gute Allgemeinbildung. Wenn eine Note etwas schlechter ist, muss der Bewerber das wenigstens gut begründen können, sagt Ines Mannagottera.
3 Stunden dauert die Berufsinformationsbörse, jeder Schüler hat 4 Termine á 30 Minuten, lernt also längst nicht jeden ausstellenden Betrieb kennen. Wer danach immer noch nicht weiß, was er werden will, sollte auf den Berufsberater Kay Schiwy von der Arbeitsagentur hören und erst einmal die eigenen Stärken und Interessen erkennen. „In dem Beruf, in dem ihr eure Stärken und Interessen einsetzen könnt, werdet ihr auch glücklich“, sagt der Berufsberater.
