Der Großteil der hiesigen Wirte hat sich auf die neue Situation eingestellt. „Briefkasten“-Besitzer Peter Blase befürchtet 20 bis 30 Prozent Umsatzverlust.
Von Peter Linkert, Michael Loots, Carsten Mensing und Stephan TönniesCloppenburg – Das so genannte Nichtraucherschutz-Gesetz, das seit Mittwoch in Kraft ist, hat eine neue Zeitrechnung eingeläutet. In Kneipen, Diskotheken, Cafés und Restaurants darf ab sofort nur noch gequalmt werden, wenn es abgetrennte Raucherräume gibt.In der Cloppenburger Gaststätte „Briefkasten“ hat Wirt Peter Blase mit Hilfe einer Schiebetür die Trennung zwischen Rauchern und Nichtrauchern umgesetzt. Die Raucher dürfen sich künftig im hinteren Teil der Kneipe, in der Billard- und Kickertisch stehen, eine Zigarette anstecken. Der größere Teil der Pinte inklusive der Theke ist künftig rauchfrei. Obwohl die Raucher letztlich weiterhin drinnen bleiben dürfen, rechnet Blase zu Anfang mit 20 bis 30 Prozent Umsatzverlust. Für viele Gäste sei die Kneipe eine Art zweites Wohnzimmer, viele – so Nichtraucher Blase weiter – empfänden das Rauchverbot als einen Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte. „Wenn ich die Wahl gehabt hätte, wäre mein Geschäft mit einem „R“ als Raucherkneipe ausgewiesen worden“, erklärt Blase.
Das „Bistro Stadtmitte“ verfügt dagegen nur über einen Raum – eine räumliche Abtrennung der Raucher ist aus baulichen Gründen nicht möglich. Wirtin Manuela Hecksell sieht die Situation ähnlich wie Blase. „Der Großteil meiner Gäste raucht. Ich kann die doch nicht mehr erziehen“, sieht sie sich in der Zwickmühle: Schließlich muss sie mit ihrem Laden ihren Lebensunterhalt verdienen, und möglicherweise demnächst die „besten“ Gäste vor die Tür komplimentieren.
Am Dienstagabend glich ihre Gaststätte jedenfalls einer Lasterhöhle. Aus Jux, aber auch aus Protest hatten etliche Stammgäste dicke Zigarren mitgebracht, die den Laden ordentlich vernebelten. Das Problem der Eckkneipen beschäftigt im Übrigen auch noch den Hotel- und Gaststättenverband, der hier Nachbesserungen fordert.
Eine qualmfreie Kneipe? Für Wirt Marcel Beckmann aus Elsten, dessen Gastwirtschaft seit 115 Jahren besteht, ein Ding der Unmöglichkeit. „Wenn mir das vor Jahren jemand gesagt hätte, den hätte ich für verrückt erklärt.“ In seinem Geschäft – so Beckmann weiter – sei immer geraucht worden. Früher hätten seine Gäste noch dicke Zigarren inhaliert. „Wenn eine Versammlung stattfand, konnte man keine drei Meter mehr gucken. So verqualmt war der Saal“, erinnert er sich und lacht. In Sachen Rauchverbot stellt er sich aber nicht quer. „Ich habe einen separaten Raum, den ich als Raucherzimmer kennzeichne. Das ist überhaupt kein Problem.“
Kein Problem hat auch das Café Renschen in Stapelfeld. Dort ist die Familie Renschen aufgrund der Kapazitäten in der glücklichen Lage, dass ein Extra-Raum als Raucherzone ausgewiesen werden kann.
Auf ein Rauchverbot setzt dagegen das Fast-Food-Restaurant Burger King. Wer dort rauchen will, muss das an der frischen Luft tun. „Wir sind bereits seit 1. Juli rauchfrei. Wer bei uns rauchen will, der kann das vor der Tür oder auf der Terrasse tun. Auf Anfrage geben wir Aschenbecher aus“, sagte Mittwoch eine Mitarbeiterin von Burger King.
Stadt: Kontrollen zur Umsetzung des Nichtraucherschutzes
