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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Geteiltes Echo auf künftige Frauenquote

27.11.2014

Berlin /Oldenburg Die Koalition erntet mit ihrem Kompromiss zur Frauenquote in Aufsichtsräten viel Kritik von Wirtschaftsverbänden. Sie lehnten das Vorhaben am Mittwoch meist als schädlich ab. Der Opposition gehen die Pläne hingegen nicht weit genug. Grüne und Linke verhöhnten die Quote von 30 Prozent als „Quötchen“ und „Quote light“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte die schwarz-rote Vereinbarung: „Wir können es uns nicht leisten, auf die Kompetenz der Frauen zu verzichten.“ Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) lobte die Vereinbarung: „Dieses Gesetz ist ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung, weil es auch einen Kulturwandel in der Arbeitswelt einleiten wird.“

Nach wochenlangem Streit hatten die Koalitionsspitzen die Details einer Frauenquote für die Wirtschaft vereinbart. Ab 2016 müssen demnach 30 Prozent der Aufsichtsratssitze an Frauen gehen – anderenfalls bleiben sie unbesetzt. Dies gilt allerdings nur für gut 100 börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen, für kleinere Firmen wird es eine flexible Regelung geben.

Ende September waren nach Angaben des Vereins „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar) von 1669 Aufsichtsratsmitgliedern bei 160 börsennotierten deutschen Unternehmen 316 weiblich. Das entspricht einer Quote von knapp 19 Prozent.

Der Arbeitgeberverband BDA erklärte: „Eine Quote ignoriert, dass das entscheidende Kriterium die fachliche Qualifikation sein muss.“ Eine gesetzliche Vorgabe schade Firmen wie Beschäftigten. Der IHK-Verbund DIHK sprach von einer „falschen Antwort“ auf ein wichtiges Thema.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt konstatierte im BR-Hörfunk: „Wir haben einige Regelungen entschärft.“

Niedersachsens Großunternehmen sehen sich bei der Umsetzung der Frauenquote in Aufsichtsräten unterschiedlich gut aufgestellt. „Wir sind schon jetzt auf gutem Wege“, sagte am Mittwoch ein Sprecher des Autozulieferers Conti, bei dem zur Zeit vier Mitglieder des 20-köpfigen Kontrollgremiums Frauen sind. Beim VW-Konzern sind bisher nur drei von 20 Aufsichtsratsmitgliedern Frauen. TUI kommt auf vier Frauen, bei 16 Mitgliedern.

Die beiden größten börsennotierten Unternehmen des Oldenburger Landes, die Oldenburgische Landesbank (OLB) und der Fotodienstleister Cewe, stehen bereits vorbildlich da: „Seit 2013 sind ein Drittel der Aufsichtsräte bei Cewe weiblich“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Rolf Hollander auf Anfrage. „Die 30-Prozent-Quote erreichen wir bereits heute“, sagte auch OLB-Sprecherin Britta Silch-müller und verwies auf vier Frauen und acht Männer im Aufsichtsrat.

Bei der nicht börsennotierten Aktiengesellschaft EWE (20 Aufsichtsräte, darunter eine Frau) ist zunächst nicht klar, ob sie in die Neuregelungen einbezogen wird. „Davon unabhängig haben wir ein Interesse daran, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu steigern und werden diesen Anteil in den kommenden Jahren auch weiter ausbauen“, sagte Dr. Silke Wenzel als Leiterin Konzernpersonal.

Beim Arbeitgeberverband Oldenburg (AGV) hieß es, die Frauenquote für rund 100 börsennotierte Unternehmen „dürfte in unserer Mittelständisch geprägten Region kaum relevant sein“. Die regionale Wirtschaft sei für einen höheren Frauenanteil auf allen Führungsebenen, die Frauen würden „dringend gebraucht“, sagte AGV-Chef Jürgen Lehmann. Eine gesetzliche Frauenquote sei aber „reine Symbolpolitik“ und nicht geeignet, den beruflichen Aufstieg von Frauen zu fördern.

Jürgen R. Viertelhaus, Vorstandsvorsitzender der Oldenburger Vierol AG betonte, bei den drei Millionen Mittelständlern in Deutschland hänge der Erfolg „ausnahmslos von der Qualifikation der Führungskräfte und nicht von der Aufteilung nach Geschlechtern ab“. Eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote sei dort auch „praktisch gar nicht durchsetzbar ohne negative wirtschaftliche Auswirkungen“.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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