GIEßELHORST - Wilhelm Lamken konnte kaum glauben, was da gerade seitwärts über die Auffahrt seines Grundstückes in Gießelhorst krabbelt. „Meine Nachforschungen haben ergeben, dass es sich dabei um eine Chinesische Wollhandkrabbe handelt, aber ich bin natürlich kein Experte“, sagt er.
Dabei hätte er das Krustentier fast ganz übersehen. „Um ein Haar wäre ich aus Versehen drauf getreten. Es war schließlich schon fast dunkel“, berichtet er von dem Abend, an dem er seine für das Ammerland doch recht ungewöhnliche Entdeckung machte. „Das Meer ist immerhin über 30 Kilometer weit entfernt“, wundert sich Lamken noch immer.
Von ähnlichem Fall gelesen
In derNWZ
habe er aber vor geraumer Zeit von einem ähnlichen Fund südlich von Oldenburg gelesen. Er hat daher eine Vermutung: „Es könnte sein, dass die Krabbe im Ballastwasser eines Schiffes von Asien aus mitgereist ist. Denn so große Krebse findet man an unserer Küste normalerweise ja gar nicht.“ In der Nordsee könne sie von Bord gegangen sein, um dann von Gewässer zu Gewässer ihren Weg ins Binnenland fortzusetzen. Bis sie eben in seinem Vorgarten landete.„Sie saß zunächst völlig regungslos da“, erinnert sich Lamken und fügt scherzhaft hinzu: „Angesprochen hat sie uns auch nicht.“ Vorsichtig habe er sie eingefangen und in einen Eimer getan. Wiederum ganz ohne Gegenwehr – oder Beschwerden.
An der Schweigsamkeit wird es aber wohl kaum gelegen haben, dass dem 46-Jährigen die Krabbe von Anfang an nicht ganz geheuer war. „Ich bin Imker und habe kein Problem damit, mich von einer Biene stechen zu lassen, aber an das Ding wage ich mich nicht näher ran als unbedingt nötig.“
Sorge um Ökosystem
Seine Sorge bezieht sich indes nicht nur auf die scharfen Scheren des ungebetenen Gastes. Vielmehr treibt Lamken um, welche Auswirkungen der fremde Gliederfüßer für die heimische Flora und Fauna haben könnte. „Man hört doch oft davon, dass eingeschleppte Tiere eine Gefahr für das Ökosystem darstellen. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass die Krabbe im Ammerland irgendwelche natürlichen Feinde zu fürchten hat.“
Umgehend informierte er daher das Veterinäramt über seinen krabbeligen Fund. „Dort sagte man mir, dass von der Krabbe eigentlich keine Bedrohung ausgehen sollte“, erzählt Lamken. Ob diese Entwarnung aber auf die lokale Natur oder einfach nur auf die Sicherheit für seine Finger bezogen ist, das sei ihm nicht so genau mitgeteilt worden.
Etwas ratlos steht Wilhelm Lamken nun vor der Frage, wie es mit seinem gepanzerten Untermieter weitergehen soll. Einen Namen habe er diesem jedenfalls noch nicht gegeben. „Wie gesagt, er oder sie spricht nicht mit uns, daher können wir das Geschlecht nicht klären“, meint er und lacht. „Außerdem hoffe ich doch nicht, dass die Krabbe so lange bleibt, dass wir uns darüber wirklich Gedanken machen müssen.“
