Ganderkesee - „Schlüpf in die Haut Deines Reptils“ heißt ein Kursus, den die regioVHS Ganderkesee/Hude neu in ihrem Herbstprogramm anbietet. Teilnehmer können an einem professionellen Fotoshooting teilnehmen. Doch dürfen Ganderkeseer überhaupt gefährliche Tiere in den eigenen vier Wänden halten?
„Eine bundeseinheitliche Regelung im Umgang mit gefährlichen und giftigen Tieren gibt es nicht“, sagt Bärbel Theile von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis auf NWZ -Anfrage. Neben dem Bundestierschutzgesetz gilt in Niedersachsen die sogenannte „Gefahrtier-Verordnung“ (GefTVO). Danach sind Giftschlangen, giftige Skorpione und ähnlich gefährliche Tiere in Privathaushalten grundsätzlich verboten.
Wer ein artgeschütztes Tier – dazu zähle beispielsweise eine Großkatze genauso wie die Griechische Landschildkröte – halten möchte, müsse dies anzeigen und den entsprechenden Sachkundenachweis erbringen. In Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt könne der Landkreis eine Ausnahme vom Verbot der Haltung gefährlicher Tiere erteilen. Eine Liste, wer wo im Landkreis gefährliche Tiere halte, führe die Behörde nicht. Bärbel Theile verweist an den Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).
Doch dort liegt nach Angaben von Wolfgang Borgmeyer, beim NLWKN zuständig für den Bereich „Internationaler Artenschutz“, keine Liste über den Bestand in den Landkreisen vor. Er mahnt das Verantwortungsbewusstsein der potenziellen Halter an. Längst nicht jeder bringe eine ausreichende Sachkunde mit; daher landeten viele Tiere in Wildauffangstationen. Borgmeyer vermutet die Statistik mit Haltern im Niedersächsischen Landwirtschaftministerium.
„Eine solche Übersicht gibt es nicht“, erklärt Klaus Jongebloed, Sprecher von Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) der NWZ . Eine Arbeitsgruppe mit dem Umweltministerium prüfe gerade eine Reform der Verordnung zu exotischen Tieren. Dabei stünden vor allem die Tierbörsen im Blickpunkt. Denn dort könnten Schlange, Skorpion und Co. oft für wenig Geld problemlos gekauft werden. Beliebt seien die Exoten wegen des Nervenkitzels, aber auch als Statussymbol. Niedersachsen will den Tierschutz verbessern, insbesondere den Transport der Tiere und deren Präsentation.
Nach einem Schlangenbiss am Niederrhein hat das Land Nordrhein-Westfalen eine Initiative gestartet mit dem Ziel, eine bundeseinheitliche Regelung einzuführen. Bis diese vorliegt, müssen die Ganderkeseer ihre Nachbarn direkt fragen, ob sie eine gefährliche Echse im Keller halten.
