Ritterhude - Schlimme Befürchtungen haben sich bestätigt: Der Boden der vor Monaten explodierten Chemie-Fabrik in Ritterhude bei Bremen ist teilweise massiv mit Giftstoffen belastet. Das bestätigte ein Gutachter des hanseatischen Umweltkontors (Lübeck) am Donnerstagabend in einer Informationsveranstaltung für Anwohner.

Das Treffen fand schon fast konspirativ statt. Jede Presse wird rigoros aus dem Saal des Begegnungszentrums verwiesen. Warum? Ein Projektor wirft die wichtigsten Daten an die Wand. Vorn rechts sitzen die Bürgermeisterin, Vertreter des Landkreises Osterholz und der Polizeiinspektion, Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz, der Gutachter Kim Anton, sowie ein Vertreter der abgebrannten Firma Organo Fluid, die das Gutachten bezahlt. Die Stimmung ist angespannt. Vorn haben sich alle Anwohner der Unglücksfirma in Danksagungslisten für die Helfer und Retter eingetragen. Das verheerende Feuer kostete einem Menschen das Leben, viele wurden verletzt, dazu ein Millionenschaden an den Häusern.

Das Umweltkontors führte 38 Bohrungen auf dem Firmengelände in bis zu 23,5 Meter Tiefe durch. 400 Proben wurden analysiert. Das Ergebnis: eine „teils deutliche“ Überschreitung von Grenzwerten für Gifte im Boden. „Es besteht Handlungsbedarf zur Sanierung“, schlägt der Experte Alarm. So fanden sich im Bodenwasser bis zu 3200 Mikrogramm pro Liter an Monoaromaten. Für Trinkwasser erlaubt: 20. „Es bestehen aber keine unmittelbare Gefährdungen für Anwohner“, heißt es. Dennoch: Weitere Messungen sollen folgen.