GöRLITZ - Die Fabrik Rudolf Hoinkis setzt zehn Millionen Euro mit der Leckerei um. 5000 Kilo Liebesperlen entstehen pro Tag.

Von Gudrun Janicke

GÖRLITZ - Liebesperlen – zuckrige Leckereien der Görlitzer Süßwarenfabrik Rudolf Hoinkis – lassen Kinderherzen höher schlagen. Die vor 110 Jahren gegründete Firma ist wegen dieser einzigartigen Erfindung weltweit bekannt. Die etwa erbsengroßen Dragees gehen heute in 25 Länder. „Wir können uns vor Nachfragen kaum retten“, sagt Geschäftsführer Bernd-Christian Hoinkis. Sein Großvater hatte die Firma 1896 aufgebaut. Zu DDR-Zeiten verstaatlicht, übernahm die Familie das Unternehmen nach der Wende wieder von der Treuhand.

Gründer Rudolf Hoinkis hatte zunächst gar nicht gewusst, wie er seine süße Erfindung nennen sollte. Nach der Legende soll er zu seiner Familie gesagt haben: „Ich liebe Euch wie diese Perlen, für die ich keinen Namen habe.“ Seine Frau antwortete: „Liebesperlen“.

„Unser Umsatz steigt ständig. Die Zehn-Millionen-Euro-Grenze wird bald überschritten“, sagt Hoinkis. 60 Prozent der Produktion geht ins Ausland, vor allem nach Europa, aber auch nach Brasilien und Südafrika. 35 Mitarbeiter sind in drei Schichten beschäftigt. Vor der Wende lieferte der volkseigene Betrieb auch an Kunden im Westen.

„Wir sind immer auf der Suche nach neuen Ideen, um die Süßigkeiten für Kinder spannend und interessant zu verpacken“, sagt Hoinkis-Sohn Mathias. Großen Erfolg gab es mit einem Fangballspiel oder einer Wasserspritzpistole, in der die Perlen angeboten wurden. „Gehofft hatten wir auf einen Verkauf von etwa 300 000 oder 400 000 Stück – es waren Millionen“, sagt Bernd-Christian Hoinkis.


„Und natürlich gibt es ganz traditionell, wie seit Jahrzehnten bekannt, Liebesperlen in Puppenbabyfläschchen“, sagt Hoinkis senior. Fast jeder kennt diese kleinen Fläschchen, früher aus Glas und heute aus Plastik. Anders als zu DDR-Zeiten sind die Perlen heute aber größer. „Anfang der 90er-Jahre war in einer Nachtschicht eine Maschine falsch eingestellt worden. Wir blieben dann bei der neuen Größe“, sagt er.

Die Geheimnisse der Herstellung verraten Vater und Sohn Hoinkis nicht. Nur so viel: In großen Kupferbottichen wird Zucker zunächst so bewegt, bis kleine – etwa ein Millimeter große – Kristalle entstehen. Dann wird in einem etwa 100 Stunden dauernden Vorgang rotierend weiter Zucker aufgetragen, bis kreisrunde Perlen entstehen. Etwa 5000 Kilogramm Liebesperlen entstehen am Tag.