GöTTINGEN/BERLIN - GÖTTINGEN/BERLIN/DPA - Rund 200 000 Deutschen gehört angeblich noch Grundbesitz in der früheren DDR. „Die Besitzer sind ahnungslos. Sie wissen nicht, dass ihre Grundstücke gar nicht enteignet sind oder die Wegnahme nach der Wendezeit nur vorgetäuscht wurde“, sagte am Freitag in Göttingen der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum (ARE), Manfred Graf von Schwerin.

Bei ihrer „Aufklärungskampagne“ stützt sich die ARE unter anderem auf Angaben des Bodenrechtlers der früheren DDR, Prof. Günther Rohde (Berlin). Dieser habe der ARE versichert, dass diese 200 000 Grundstücke tatsächlich 1990 lediglich unter staatlicher Verwaltung gestanden haben und nicht enteignet waren.

Von Erben oder Eigentümern gestellte Rückgabeanträge seien von den Ämtern nach der Wende vielfach mit dem Hinweis auf angebliche Enteignung abgelehnt worden. „Mit zurechtgeschneiderten Verträgen und nachträglichen Eintragungen in den Grundbüchern wurden ihnen diese Enteignungen vorgetäuscht. Die meist hochwertigen Immobilien wurden von nichtautorisierten Verkäufern bestimmten Interessenten zugespielt“, sagte von Schwerin.

Die ARE will diese Fälle jedoch jetzt in Zusammenarbeit mit der Berliner „Interessengemeinschaft gegen Vermögensunrecht - IgV“ wieder aufrollen. Die Betroffenen müssten sich allerdings möglichst rasch melden, rät der ARE-Vorsitzende.


Der Bundesgerichtshof habe bereits 2003 grundsätzlich entschieden, dass angebliche „Enteignungen“ gerade in der Wendezeit in vielen Fällen rechtsunwirksam sein können. Viele hätten daher zu Unrecht angenommen, dass sie ihren Besitz verloren haben.