Bad Zwischenahn/Rhauderfehn - Niedersachsens bester Milchviehbetrieb kommt in diesem Jahr aus Ostfriesland. Im Beisein von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wurde der Hof Schulte aus Rhauderfehn-Holte (Landkreis Leer) am Freitag in Bad Zwischenahn mit der „Goldenen Olga 2015“ der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen ausgezeichnet.
Vor 140 Gästen im „Alten Kurhaus“ konnten Hilmar und Bertraud Schulte sowie deren Sohn Hilmar Bernd und Partnerin Wiebke Junker ihr Glück kaum fassen. „Ich bin platt“, sagte Hilmar Schulte, als er von Moderatorin Heike Götz auf der Bühne gefragt wurde, ob er mit der Auszeichnung und dem Preisgeld von 3500 Euro gerechnet hätte. Befürchtungen der Moderatorin, dass der siegreiche Hof (140 Kühe, 96 Hektar, Lieferant der Molkerei Ammerland) keinen passenden Platz für die Trophäe, eine goldene Kuh in Lebensgröße, finden würde, zerstreute Ehefrau Bertraud Schulte jedoch schnell. „Wir haben einen großen Rasen, da wird sich schon ein schöner Platz finden lassen“, sagte sie.
Die Landesvereinigung vergab den Milchlandpreis an die besten der rund 9700 Milcherzeuger in Niedersachsen in diesem Jahr bereits zum 15. Mal. Gewürdigt werden soll mit der Auszeichnung nachhaltiges Wirtschaften. Eine Fachjury untersucht dabei nicht nur ökonomische Aspekte, sondern auch Ökologie, Tierwohl und das soziale Engagement der Betriebe.
Insgesamt wurden am Freitag 17 Betriebe ausgezeichnet. Der zweite und dritte Platz gingen in die Grafschaft Bentheim: Die „Silberne Olga“ und 2000 Euro Preisgeld bekam die Wilde GbR aus Emlichheim. Die „Bronzene Olga“ und 1500 Euro sicherte sich der Hof Börger aus Wietmarschen. Unter den 17 ausgezeichneten Betrieben waren auch zwei weitere aus Ostfriesland bzw. dem Oldenburger Land: die Smit GbR von Stefanie und Focko Smit aus Krummhörn (Kreis Aurich) und der Hof von Anita und Michael Lucassen aus Barßel (Kreis Cloppenburg).
Ministerpräsident Weil hob die Wichtigkeit der Landwirtschaft hervor. Niedersachsens Bauern hätten eine große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung. „Die Goldene Olga ist auch ein Symbol, dass Niedersachsen ein ganz starkes Milchland ist und auch bleiben soll“, sagte er. Mit Verweis darauf, dass einige der ausgezeichneten Betriebe auf eine fast 1000 Jahre zurückreichende Existenz zurückblicken können, meinte er, dass die Landwirtschaft auch ein „gutes Stück niedersächsische Geschichte“ sei.
Mit Sorge blickte Weil indes auf den Verfall der Milchpreise. „Wir müssen wieder auf ein vernünftiges Preisniveau kommen“, meinte er. Das sei auch eine Frage der Wertschätzung der Arbeit der Betriebe. In diesem Zusammenhang äußerte er auch eine gewisse Skepsis mit Blick auf die Russland-Sanktionen. „Dass Milchbauern die Zeche dafür zahlen müssen, leuchtet mir nicht ein“, sagte er.
Die derzeit niedrigen Milchpreise kritisierten auch Jan Heusmann, Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft (LVN), und Landvolk-Vizepräsident Ullrich Löhr. „Milch genießt leider zurzeit nicht die Wertschätzung, die ihr eigentlich zusteht“, sagte Löhr. Der Wettbewerb um die „Goldene Olga“ biete eine gute Öffentlichkeitswirkung, um „die guten bäuerlichen Produktionsmethoden und den hohen Wert des Nahrungsmittels Milch darzustellen“. Die diesjährigen Preisträger seien ebenso wie die Sieger aus den Vorjahren „hervorragende Botschafter für unsere Milchviehbetriebe“, so Heusmann.
