Oldenburg - Dr. Martin Krengel, 35 Jahre alt, ist Weltenbummler, Autor, Wirtschaftswissenschaftler und Psychologe – und ein entschiedener Mann: „Multitasking", sagt er beispielsweise, „ist eine Illusion.“ Am Mittwoch sprach der Berliner vor rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des NWZ -Projekts „Azubi“ (Arbeit – Zukunft – Bildung) im Oldenburger Kino „Cinemaxx“.
Hintergrund seines Vortrags war nicht allein, Erkenntnisse aus Hirn- und Verhaltensforschung zu vermitteln. Vielmehr brachte der Mittdreißiger den Auszubildenden Modelle und Ideen näher, mit denen sie Arbeits- und Lernalltag besser in den Griff bekommen können. Dafür stellte er „Fünf Goldene Regeln für Zufriedenheit und Produktivität!“ auf.
Regel eins: Jeder braucht klare Strukturen und Entscheidungen, um mehrere Aufgaben abzuarbeiten. Was wie eine Binsenweisheit wirkt, füllt der Berliner mit überraschenden Einsichten. So berichtet er von einem Unternehmen, das erst in die Gewinnzone kam, als die Gründer beschlossen, nur bis 18 Uhr zu arbeiten, und nicht mehr bis 23 Uhr. „Begrenze Deine Zeit für eine Aufgabe“, rät Krengel. Das fördere das effektive Arbeiten enorm.
These zwei: Struktur in den Tag bringen. Es sei immer sinnvoll, die unangenehmste Aufgabe an den Tagesanfang zu stellen. Danach sei der Raum für die weiteren Anforderungen geöffnet. Wer „To-Do-Listen“ führe, sollte rechts geistig anstrengende Dinge eintragen, links die eher leichtgängigen, meine Krengel. Der Wechsel mache das Abarbeiten leichter. Jeder sollte zudem im Arbeitstag seinen persönlichen Bio-Rhythmus berücksichtigen. Krengel berichtete, dass er zwischen 11 und 11.30 Uhr ein Tief habe. Als er sich zu dieser Zeit zum Arbeiten zwang, habe er kurz vorm Abbruch des Studiums gestanden. Dann nahm er das Tief ernst, arbeitete und lernte ab 13 Uhr – und bestand mit Auszeichnung.
Wichtig sei es, „Nein sagen“ zu lernen – vor allem zu Internet und Handy („wenn ich effizient arbeiten will, ziehe ich den W-Lan-Stecker“), aber auch gegenüber Vorgesetzten, die neue Aufgaben verteilen, wenn drei alte noch nicht erledigt sind. Und er rät zu einer Regel, die auf den ersten Blick seltsam scheint: „Wichtiges vor Dringendem“.- Das habe etwas mit Effizienz zu tun: „Jeder Mensch hat am Tag vier, höchstens fünf Stunden Hochleistungsphase – darin muss das Wichtige erledigt werden, nicht das, was von außen auf uns einprasselt.“
Zudem bewies er, dass Multitasking zu Fehlern führt. Er zeigte einen Film – und die Jugendlichen sollten zählen, wie oft weiß gekleidete Menschen einen Ball passen. Viele, die sich darauf konzentrierten, übersahen einen Affen. der sich unter die Menschen mischte.
„Wir“, sagt Krengel, „blenden effizient alles aus, was sich nicht auf die wichtigste Aufgabe bezieht“.
