Gorleben/Hannover - Ein Tag für Sekt und Feiern im Wendland, wenn nicht in den letzten Jahrzehnten das Vertrauen der Bürger in Politiker völlig zerstört worden wäre: Das (Fast)-Ende für Gorleben als atomares Endlager läutet an diesem Dienstag aber dennoch eine historische Wende ein. Das Salzbergwerk bleibt nur deshalb offen, solange und sofern der Standort beim neuen bundesweiten Auswahlverfahren nicht ausscheidet. Im Klartext: Weil die Atomendlagersuche bei Null beginnt, darf kein Ort in Deutschland vorab von der Karte genommen werden. Das gebietet die Fairness gegenüber anderen Regionen. So legt es das Standortauswahlgesetz fest.

Für Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) ein Tag der Erleichterung: die „Vorfestlegung“ auf Gorleben ist vom Tisch. „Kein Standort ist gesetzt, aber auch keiner von vornherein ausgenommen“, beschreibt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die neuen Spielregeln. Doch wer glaubt noch an Gorleben, nach den vielen wissenschaftlichen Zweifeln? Anlieger und Bürgerinitiativen hätten sich gewünscht, dass Gorleben ganz aus dem Rennen genommen worden wäre.

Die nächsten Schritte in Gorleben: Der Betrieb rund um das Grubengebäude wird bis auf ein Minimum reduziert. Der bisherige Erkundungsbereich 1 wird wie einige Teile der Infrastruktur außer Betrieb genommen. Die oberirdischen Sicherungsanlagen werden in Abstimmung mit der Polizei weitgehend zurückgebaut. Der Besucherverkehr wird eingestellt und das atomrechtliche Planfeststellungsverfahren für erledigt erklärt. Ende einer Erkundung, die bis heute fast 2 Milliarden Euro verschlungen hat.

Unter Tage werden noch einige Arbeiten erledigt. Dazu gehören das Verfüllen von Bohrungen und die Entfernung der technischen Einrichtungen aus dem Erkundungsbereich 1. Diese Arbeiten werden in den nächsten zwei Jahren abgeschlossen.

Die Vereinbarung löst in Hannover höchst unterschiedliche Reaktionen aus. Die SPD spricht von einem „großen Erfolg“. Für Ex-Umweltminister Stefan Birkner (FDP) muss die neue Strategie in Gorleben lauten: „Runterfahren – und offen halten.“ Nichts sei entschieden. Wichtig sei ein „absolut transparentes Verfahren“.