GRABSTEDE - Eine fachmännische Unterweisung ist sinnvoll. Gute Tipps helfen weiter.
Von Kai Hippen
GRABSTEDE - Erst wird der Wurzelanlauf weggeschnitten, dann kommt der Fallkerbschnitt, die Bruchleiste wird markiert, und mit dem Fällschnitt ist die Arbeit getan. Baum um Baum, Pappel um Pappel wurde gestern im Wald des Klosterhofes Grabhorn in Grabstede fachmännisch gefällt. Es waren aber keine Waldarbeiter am Werk, sondern Männer, die erst mal lernen wollten, wie man richtig mit der Motorsäge umgeht. Der Kursus des Forstamtes hat vor allem einen Sinn, wie Forstinspektor und Waldarbeitslehrer Heiko Fritz erklärte: „Wir müssen diese Arbeit sicherer machen.“Im Jahr 2004 seien in Deutschland allein in privaten und kommunalen Wäldern rund 40 Menschen bei Holzfällarbeiten ums Leben gekommen, von den vielen Verletzten gar nicht zu reden. Heiko Fritz: „Die Motorsäge ist die gefährlichste Maschine, die wir in der freien Wirtschaft kennen.“
Die Teilnehmer des Kurses hatten sich zunächst einer intensiven theoretischen Einführung in der Handhabung der Sägen unterzogen. Jetzt galt die Aufgabe: „Jeder fällt einen Baum.“
Ganz unerfahren waren diese Männer nicht, und so gingen sie frisch ans Werk. Dirk Eilers aus Grabstede zum Beispiel, der als erster seinen Baum mit einer laut Fritz „wunderbaren Bruchleiste“ zur Strecke brachte: „So ein Kursus ist für jeden sinnvoll, der im Wald Holz machen will. Es ist nun mal sehr gefährlich“, betonte Dirk Eilers. Waldbesitzer Hartmut Kaempfe hatte das Übungsareal für den Kursus gerne zur Verfügung gestellt, setzt er damit doch einen weiteren Aspekt der „PEFC-Standards“, der Leitlinien für nachhaltige Waldbewirtschaftung, um (die NWZ berichtete), zu denen eben auch die Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen gehört. Die etwa 40 Jahre alten und rund 20 Meter hohen Pappeln seien abgängig, „bei jedem Sturm gehen welche kaputt“, fügte Kaempfe hinzu. Die abgeholzte Fläche werde mit Eichen und Eschen wieder aufgeforstet.
Aus seiner Erfahrung gab Heiko Fritz gute Tipps weiter, Splintschnitte zum Beispiel, damit der Stamm nicht einreißt. Wie stellt man fest, wo der Baum hinfällt? Davor hocken, die Daumen in die Enden des Fallkerbschnittes, Augen zu, Augen wieder auf: „So bekommt man ein sehr gutes Gefühl, wo er hingeht.“ Oder einen Zollstock nehmen, knicken, wie einen Zirkel in den Kerbschnitt stecken, die Spitze zeigt genau in die Fallrichtung.
Im Zeitalter der Holzheizungen boomt die Nachfrage nach Brennmaterial. Völlig unbedarfte Leute, warnte Heiko Fritz, sollten überhaupt nicht in den Wald gehen und einfach Bäume fällen: „Sie können das an Wegen gestapelte Holz kaufen. Auch wenn sie da nur die Scheite zusägen: Immer Schnittschutzhosen und -schuhe, Helme mit Visier und Gehörschutz tragen, nicht einfach in Turnschuhen im Wald auftauchen. Die meisten Leute unterschätzen die Gefahren beim Holzmachen."
