GRABSTEDE - Rund 1000 Tiere werden zu ihren Winterquartieren gebracht. Das spart Geld und ist gesund.
von Kai Hippen
GRABSTEDE - Termine, Termine, hetzen, hetzen, schnell muss alles gehen, Zeit ist Geld, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben: Das ist allerorten zu hören, das scheint die Maxime zu sein, dem wird alles untergeordnet. Wirklich alles? Nicht ganz. Es gibt Ausnahmen, Leute, die sich Zeit sogar für ihr Berufsleben nehmen, und zwei davon waren Sonntag zu Gast auf Weiden des Klosterhofs zu Lindern in Grabstede. Stefan Rose und Siegfried Erb sind Wanderschäfer, mit rund 1000 Tieren der Sorten Schwarzkopf und Suffolk machten sie am Birkhuhnweg Station auf dem langen Zug nach Walsrode.Schafe und Schäfer kamen von den Deichen von Norddeich. Vor sechs Tagen waren Rose und Erb samt ihren Hunden „Dina“, „Falke“ und dem jungen „Knut“ losgezogen. In zwei Wochen wollen sie ihr Ziel erreichen, die Schäferei Rose in Grethem bei Walsrode, am Rand der Lüneburger Heide. Kaum zu glauben, dass so ein Zug durch die zersiedelte Landschaft voller Autostraßen, Stacheldrahtzäunen und Verbotsschildern noch möglich ist. Für Stefan Rose und Siegfried Erb lohnt sich die Sache aus mindestens zwei Gründen. „Wir sparen die Kosten für den Transport mit Lastwagen. Aber vor allem ist das auch gut für die Schafe. Immer nur Graswiesen ist gar nicht sinnvoll, die fressen auch mal gerne Kräuter, Eicheln und Brombeerblätter. Die nehmen sich das, was ihnen schmeckt, und das bekommt ihnen sehr gut", berichten die Schäfer. Auch die Landwirte sind gerne Gastgeber der Wanderschäfer. Stefan Rose: „Es sind die besten Geschäfte, wenn beide Seiten Vorteile haben. Wir haben das gute Futter, die Bauern
brauchen nicht zu mulchen. Die freuen sich richtig, wenn wir kommen.“ Die beiden Schäfer genießen sichtbar ihre Freiheit, sie übernachten im VW-Bully, ihrem „ständig wechselnden Wohnsitz“. Im Sommer Deichschäfer, im Winter Wanderschäfer, das hört sich gut an. Vor Bürokratie sind sie aber auch nicht geschützt. Vor dem Start mussten aus jedem Landkreis, den die Schafe durchqueren sollten, Genehmigungen eingeholt werden. Das hatte allerdings die ostfriesische Amtstierärztin übernommen. „Hohe Qualität statt Umsatz um jeden Preis“ ist das Geschäftsmotto der Schäferei Rose. „Dass diese Einstellung der richtige Weg ist, zeigt unsere immer größere werdende Stammkundschaft“, berichtet Stefan Rose. „Wir setzen auf artgerechte Haltung unserer freilaufenden Schafe. Natürliche Aufzucht und Fütterung sind die Basis für gesunde Tiere und aromatisches, kurzfaseriges, zartes Lammfleisch.“ Die Schäferei ist unter Tel. 0173/ 820 63 64 zu erreichen.
