GREBSWARDEN - Die vor dem Ratssaal aufgebaute Ausstellung über Klimaschutz und erneuerbare Energien passte bestens zum Thema: Um die geplante Errichtung einer Biogasanlage in Grebswarden ging es in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschussses. In der fast anderthalbstündigen Diskussion zeichnete sich zwar eine grundsätzliche Zustimmung für das Projekt ab, aber der beabsichtigte Standort der Anlage bereitet einigen Ratsmitgliedern Bauchschmerzen. Vor allem Manfred Wolf (FDP) und Dr. Tilman Kaethner (CDU) meldeten Bedenken an und forderten, dass sich die Investoren in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung nach anderen Flächen umsehen.
Einstieg mit 250 Kilowatt
Die Landwirte Bernd Böschen aus Schockum und Hermann Engelbart, der zwei Hofstellen am Rahden und in Grebswarden betreibt, wollen für über 1 Million Euro die Biogasanlage errichten. Im ersten Bauabschnitt soll sie ein Leistungsvermögen von 250 Kilowatt haben, das nach einigen Jahren bei einer Erweiterung auf 500 Kilowatt verdoppelt werden könnte. Denkbar wäre später auch ein dritter Bauabschnitt mit einer Leistungserhöhung auf 750 Kilowatt.
Auf Empfehlung des Gewerbeaufsichtsamtes haben sich die Investoren eine Fläche nördlich der Burhaver Straße für ihr Vorhaben ausgesucht. Das Gelände gehört der Stadt Nordenham und liegt etwa 300 Meter entfernt vom Schul- und Sportzentrum am Luisenhof. Dass sich die Schule sowie die Sport- und die Schwimmhalle in der Nähe befinden, ist ein großer Pluspunkt des Standortes. Denn Bernd Böschen und Hermann Engelbart wollen nicht nur Strom erzeugen, sondern auch Wärme. Und die könnte für das Heizen der öffentlichen Gebäude gut genutzt werden.
Bislang ist das ins Auge gefasste Grundstück als eine Ausgleichsfläche ausgewiesen, die die Stadt Nordenham aufforsten lassen will. Die Aufforstung betrachten die Investoren und das Gewerbeaufsichtsamt keineswegs als Hindernis. Im Gegenteil: Durch den Wald könnte in einigen Jahren ein natürlicher Sichtschutz um die etwa acht Meter hohen Rundbehälter der Biogasanlage wachsen. Für die Überlassung der Fläche würde Hermann Engelbart in einem Tauschgeschäft der Stadt ein ihm gehörendes Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite der Burhaver Straße übertragen.
Die beiden Landwirte, die für ihr Projekt die Naturgas Grebswarden GmbH & Co. gegründet haben, setzen auf nachwachsende Rohstoffe. „Wir wollen keine Schlachtabfälle oder Hühnermist verwerten“, sagt Bernd Böschen. Stattdessen soll die Anlage hauptsächlich mit Gras betrieben werden. Hinzu kommen Mais in kleineren Mengen sowie Rindergülle, deren Anteil sich auf 30 Prozent beläuft. Pro Jahr ist für die 250-Kilowatt-Anlage ein Gülleverbrauch von rund 2500 m³ zu erwarten. Das nach der Vergärung übrig bleibende Substrat dient als hochwertiger Dünger für Grünland und Acker.
Geschlossene Behälter
Mit der Planung der Anlage haben die Investoren das Friesoyther Unternehmen Biogas Weser-Ems (BWE) beauftragt BWE-Mitarbeiter Dr. Bernd Klinkert erläuterte in der Ausschusssitzung die Technik und betonte, dass aufgrund der geschlossenen Behälter keine Geruchsbelästigung durch Gülle entstehen könne. Lediglich beim Anstich der Gras- und Maissilage würden Gerüche freigesetzt. Mit Gutachten lasse sich aber nachweisen, dass keinerlei unzulässige Emissionen zu befürchten seien.
Trotzdem vertraten Manfred Wolf und Tilman Kaethner die Auffassung, dass die Anlage möglichst weit von der Wohnbebauung in Einswarden entfernt liegen sollte. In der jetzigen Planung beträgt der Abstand etwa 400 Meter. Manfred Wolf regte an, den Standort weiter nach Westen an die Bundesstraße 212 zu verlegen. Die Verwaltung soll jetzt abklären, ob sich das mit dort geltenden Vogelschutzauflagen vereinbaren ließe. Im März will der Ausschuss erneut über das Thema beraten.
