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Serie Wo sich Tradition und Moderne treffen

Karsten Kolloge

Groß Ippener - Dass hier Tradition zu Hause ist, springt sofort ins Auge. Der Giebel aus Fachwerk, die uralte Aussteuertruhe auf dem Flur, das ovale, goldfarben gerahmte alte Foto im Schankraum. Doch Tradition allein sei es nicht, was den Gasthof Wülfers in Groß Ippener prägt, sagen Hans-Dieter Wülfers und sein Schwiegersohn Steffen Adam. „Tradition und Moderne“, beides werde hier zusammengeführt.

Wer in die Geschichte des Gasthauses eintauchen will, muss weit zurück. Im Jahr 1900 hatte Dietrich Wülfers das Anwesen an der Dorfstraße 5 erworben, außer dem „Gasthaus zur Deutschen Eiche“ betrieb er hier Landwirtschaft. 1926 entstand neben dem Altbau (heute Hotel) der jetzige Gasthof samt Wohnhaus. Als nächste Generation übernahmen Hans und Emma Wülfers den Betrieb, den Emma allein weiterführte, seit ihr Ehemann im Zweiten Weltkrieg in Rumänien als vermisst galt. In den 1960er- Jahren wurde der Stab erneut weitergegeben, seither kümmern sich Annegret und Hans-Dieter Wülfers um das Wohl der Gäste. In den 1980er-Jahren wurde die Landwirtschaft aufgegeben, parallel entstand (1983) der Saal. Vor wenigen Tagen gaben auch Annegret und Hans-Dieter Wülfers die Verantwortung weiter - an ihre Tochter Ulrike Adam-Wülfers und Steffen Adam.

Zähne vergessen

„Langweilig ist es nie“, sagen Hans-Dieter Wülfers, 74, und Steffen Adam, 47. Wer die Geschichte des Gasthofs schreiben wolle, der, so sagt Annegret Wülfers, komme auch um ungewöhnliche Rituale früherer Zeiten nicht herum. „Stiefeltrinken und kartonweise Negerküsse essen“ sei so ein Ritual gewesen. Und ihr Ehemann Hans-Dieter erinnert sich lachend an Fundstücke, die in den Jahren so vergessen wurden. Klar, Regenschirme oder Jacken seien liegengeblieben – „einmal aber auch Zähne“. Gerade noch rechtzeitig habe er das Gebiss in der Toilette entdeckt und seinem Träger hinterhergebracht, der schon mit seinen Kohlfahrtkollegen im Bus zur Weiterreise saß.

Dass sich die Gastronomie in so vielen Jahren verändert habe und weiter verändere, sei selbstverständlich, sagt Steffen Adam. Wie? „Zum Beispiel die Musik. Früher traten häufiger Kapellen auf.“ Heute sei es eher der DJ, der durch den Abend führt. „So eine Kapelle bezieht die Gäste mit ein. Das macht eine Menge aus. Die Musiker können dann auch mal einen falschen Ton treffen, da sind die Leute nachsichtig.“

Auch die Treffen am Stammtisch seien weniger geworden. Das hänge wohl auch mit der gestiegenen Mobilität zusammen. „Heute fahren die Leute schon mit 18 Jahren 100 Kilometer, um zur Party zu kommen.“


Essenskultur entstanden

Parallel seien die Erwartungen der Gäste andere geworden. „Früher hieß es: Hauptsache, es schmeckt.“ Heute hingegen müsse das Gesamtpaket stimmen: Wo und wie sitzen die Gäste, wie wird das Essen präsentiert? Adam: „Da ist eine Essenskultur entstanden.“

Für das Hotel/Restaurant Wülfers sei „eine gute klassische Gastronomie“ eines der Standbeine. In der Woche wird à la carte gespeist, am Wochenende kommen Feiern und Veranstaltungen hinzu. Das andere Standbein: das Hotel mit neun Zimmern und 17 Betten. Als weiterer Veranstaltungssaal für große Gesellschaften und den traditionellen Adventsbasar kommt schließlich die rustikale Scheune (Schün Rustika) hinzu.Hotel Restaurant Wülfers, Dorfstraße 5, 27243 Groß Ippener, t 04224/251, Website: www.hotel-wuelfers.de.

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