GROß IPPENER - Seit 1990 ist die Firma Niehaus in Groß Ippener ansässig. Die Anfänge in Delmenhorst reichen bis ins Jahr 1927 zurück.
Von Marén Bettmann
GROß IPPENER - Die Firmengeschichte der Familie Niehaus begann 1927 in einer kleinen Werkstatt in Delmenhorst. Damals fertigte Sattlermeister Johann Niehaus Brauchbares aus Leder wie Zaumzeug für Pferde und Tornister für Schulkinder. Heute, 79 Jahre später, hat sich die Produktpalette völlig verändert. In der Firma Planen-Niehaus GmbH & Co. KG im Gewerbegebiet in Groß Ippener wird zwar immer noch genäht, jedoch kaum mehr Leder. Schwergewebe und Kunststoffe sind mittlerweile die Materialien, die im Betrieb auf vielfältigste Art verarbeitet werden.„Wir machen eigentlich alles, was vor Sonne, Wind und Regen schützt“, bringt es der Firmenchef der dritten Generation, Jörg Niehaus, auf den Punkt. Ob Lkw-Planen, Zelte, Markisen, Bootspersenninge, Rollos, Baldachine oder eine Sandkasten-Abdeckung – es gibt kaum etwas, das in Groß Ippener nicht aus schweren Stoffen hergestellt werden kann. Auch Reparatur und Wartung werden angeboten.
Ein neues Gesicht hatte der Familienbetrieb Niehaus Mitte der 60er Jahre bekommen, nachdem Hans-Jörg Niehaus, Sohn des Firmengründers und gelernter Raumausstatter-Meister, ins Unternehmen einstieg. „Damals fingen wir gleich mit Lkw-Planen an, wenig später kamen auch Vorzelte und Markisen hinzu“, erzählt Jörg Niehaus. Ende der 80er Jahre sei der Betrieb so gewachsen, dass man erweitern wollte, und da sich in Delmenhorst kein geeigneter Platz fand, zog man 1990 um ins nahe gelegene Groß Ippener. Mit dem Umzug stieg auch Jörg Niehaus ins Familienunternehmen mit ein. Er hatte in Bremen den Beruf des Segelmachers erlernt. „Gleich nach einem Jahr hatten wir eine 100-prozentige Umsatzsteigerung“, erinnert sich Jörg Niehaus, der den Betrieb nach dem Tod seines Vaters im vergangenen Jahr zusammen mit seiner Mutter Ursula führt.
Seit der Öffnung des Ostens ist es für den mittelständischen Betrieb schwer geworden, sich am Markt zu behaupten: „Viele Unternehmen verlagern ihre Produktion in den Osten, wo die Löhne billiger sind“, klagt Jörg Niehaus. „Wir müssen unseren Preis über die Qualität machen.“ Das wüssten vor allem die Privatkunden zu schätzen, deren Aufträge stetig zunehmen. .„Wir gehen auf jeden Kundenwunsch individuell ein, sofern er technisch machbar ist.“ „Und wir trauen uns an Sachen heran, an die sich andere nicht herantrauen“, ergänzt Ursula Niehaus. Zu ihren kuriosesten Aufträgen gehörten bisher Ritterzelte, die eine deutsche Schauspieltruppe in Japan benötigte sowie Überzüge für eine Lokomotive, für Flugzeuge und U-Boote.
„Ich hab’ selbst Spaß dran, etwas Neues auf den Markt zu bringen. Das dauert nur manchmal etwas, weil unser Betrieb zu klein ist, und wir so ’was meist nach Feierabend machen“, sagt der 38-jährige Firmenchef. So hätten sie als erste die Idee gehabt, an Vorzelten Rolläden anzubringen. Leider sei diese Entwicklung dann bei anderen, größeren Firmen in Serie gegangen.
Gerne würde sich der Betrieb erweitern, viel Spielraum bietet das 2800 Quadratmeter-Grundstück mit 750 Quadratmeter umbautem Raum jedoch nicht mehr. Aber eines ist für Familie Niehaus klar: Ihren Standort Groß Ippener wollen sie nicht aufgeben.
Groß Ippener sind „Europameister im Planenmachen“
