GROßENKNETEN/AHLHORN - Im Zuge der aktuellen Auseinandersetzungen um einen höheren Milchpreis haben am Mittwoch Milchbauern aus der Gemeinde Großenkneten eine Solidaritätsaktion gestartet. Die im Frühjahr von der Milchwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel vereinbarten Preisabschlüsse sehen die Erzeuger als viel zu niedrig an, um davon noch existieren zu können. Sie beteiligen sich zum Teil auch am Milchlieferboykott.
„Die Milch einfach so wegschütten mögen wir nicht, und von Randale distanzieren wir uns“, so Jens Möhlenpage aus Hespenbusch. Deshalb kam bei einer Versammlung, an der ein Großteil der rund 35 Milchbauern aus der Gemeinde teilnahm, die Idee auf, in allen Supermärkten der Gemeinde einmal die Joghurt-Regale leer zu kaufen und die Sachen kostenlos an Schulen und Kindergärten zu verteilen, um so ein Zeichen der Solidarität mit streikenden Berufskollegen zu setzen.
„Jeder Betrieb hat 100 Euro für die Aufkaufaktion gegeben“, so Möhlenpage. Und mit diesem Geld ging’s am Mittwoch zum Großeinkauf.
In der Ortschaft Großenkneten schwärmten neben Jens Möhlenpage auch Heiner Grotelüschen aus Pallast, Jens Seeger aus Haschenbrok und Kerstin Bruns vom Hollen aus, um die Regale leer zu kaufen. Die meisten Kundinnen und Kunden zeigten Verständnis. „Ich finde das in Ordnung“, sagte eine Kundin in Großenkneten. Ein anderer Kunde wollte wissen, was denn mit den Sachen passiere. Als er erfuhr, dass sie an Kindergärten und Schulen gespendet werden, zeigte er sich beruhigt.
Lebensmittel zu vernichten, halten Jens Möhlenpage und viele seiner Berufskollegen aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen nicht für richtig. In der Gemeinde Großenkneten seien es nur drei oder vier Milchbauern, die den Lieferboykott durch Wegschütten der Milch begleiten, erzählen sie. Dazu gehöre sehr viel Mut und Risikobereitschaft. „Das muss jeder für sich entscheiden“, so Möhlenpage, Seeger und Grotelüschen, die ihren Familienbetrieben dieses finanzielle Risiko nicht zumuten möchten.
In Ahlhorn waren zeitgleich am Mittwochmorgen Marion Wolters aus Bakenhus, Werner Dicke aus Steinloge und Friedrich Hellbusch aus Hellbusch in den Läden unterwegs, um Joghurt gleich in Massen einzukaufen. Hier trafen sie ebenfalls auf Verständnis bei Verbrauchern.
Auch Otto Boekhoff jun. von Markant in Ahlhorn und Großenkneten kann den Unmut der Milcherzeuger verstehen. Die am Mittwochmorgen leer geräumten Joghurt-Regale bereiteten ihm keine Probleme. Die Bestellung sei rausgegangen. Schon an diesem Donnerstag würden die Regale wieder aufgefüllt.
Die mehr als 3000 Yoghurtprodukte, die bei der Aufkaufaktion der Milchbauern zusammenkamen, wurden in einem Kühlhaus zwischengelagert und werden an diesem Donnerstag in den Schulen und Kindergärten verteilt.
