GROßENMEER - Die Anzahl der in einem Lohnunternehmen beschäftigten Frauen ist, um es neutral zu formulieren, doch recht übersichtlich. Mag sein, dass es am Arbeitsumfeld liegt die meiste Zeit sitzt man am Steuer und bedient große Maschinen , oder an der Art der ausführenden Tätigkeit diese besteht überwiegend aus Felder abernten, häckseln und mähen , vielleicht aber schreckt auch das Bild einer in sich geschlossenen Männerwelt von vornherein ab. Um es kurz zu machen: Frauen sind Mangelware in einer Branche, die zwar mit 7000 Beschäftigten in Niedersachsen gut aufgestellt ist, aber anders als die starke Bauernlobby eher im Hintergrund agiert.
Interessen vertreten
Um so bemerkenswerter ist es, dass mit Andrea van Eijden (43) aus der Wesermarsch zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der 530 im Verband organisierten niedersächsischen Lohnunternehmer steht. Als ehrenamtliche Präsidentin repräsentiert und vertritt sie die Interessen dieser Berufsgruppe in der Öffentlichkeit. Dazu gehört auch, dass sie immer mal wieder erklären muss, was das denn überhaupt sei, ein Lohnunternehmer. Nicht-Branchenkenner verwechseln uns leicht mit einem Landwirt, sagt sie. Wer ein Feld mit einem Mähdrescher bearbeitet, lande eben schnell in dieser Schublade. Natürlich kann ein Lohnunternehmer eigene zu bewirtschaftende Flächen besitzen, erklärt Andrea van Eijden, das sei aber eher die Ausnahme. Vielmehr verstehe er sich als Dienstleister oder eine Art Zulieferer.
Die Präsidentin weiß, wovon sie spricht. Eine Gelernte ist sie zwar nicht 16 Jahre hat die Einzelhandelskauffrau in der Buchhaltung eines Oldenburger Supermarktes gearbeitet , doch durch ihren Ehemann, der 1988 ein Lohnunternehmen in Großenmeer (Landkreis Wesermarsch) gründete, kam sie mit einer Welt in Berührung, in der es mitunter recht speziell zugeht: in der die Nerven durchaus mal blank liegen können und der Umgangston nicht immer nur höflich ist.
Mit Finanzen vertraut kümmert sich Andrea van Eijden im Betrieb um anfallende Verwaltungsaufgaben, wie Auftragsannahme, Disposition oder Ersatzteile holen, wenn die Jungs draußen auf dem Feld sind. Wir Ehefrauen sind häufig so etwas wie die Feuerwehr, sagt die Präsidentin. Und darüber hinaus eine Art Puffer und Vermittlungsstelle zwischen Landwirt und Lohnunternehmer.
2010 wurde Andrea van Eijden zur Präsidentin gewählt. Seitdem pendelt sie häufiger zwischen Suthfeld-Riehe (bei Hannover), wo sich die Geschäftsstelle des Verbandes befindet, und Großenmeer hin und her. Zu ihren Aufgaben gehören das Organisieren von Mitgliederversammlungen, Seminaren sowie der Austausch mit anderen Verbänden. Zudem ist der Kalender mit Auswärtsterminen gut gefüllt: Im Januar stehen ein parlamentarischer Abend mit Minister, außerdem die Grüne Woche in Berlin an. Hände schütteln, Präsenz zeigen, repräsentieren sind die eine Seite des Ehrenamts. Das alleine reicht aber nicht, sagt die Präsidentin. Man sollte schon informiert sein und wissen, was die Branche bewegt. Da gibt es zum Beispiel das Problem mit der Grundstückserweiterung. Seit Jahren kämpfen wir um die gleichen Privilegien, die auch ein Landwirt hat, erklärt Andrea van Eijden. Bislang erfolglos. Von uns Lohnunternehmern wird erwartet, dass wir im Gewerbegebiet bauen. Als Benachteiligung sieht das die Präsidentin, wir sind schließlich einer der wichtigsten Arbeitgeber auf dem Land.
Keine Zukunftssorgen
Die Sorge, dass sich der Beruf des Lohnunternehmers aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit schiebt, hält Andrea van Eijden dagegen für unwahrscheinlich: Die Zukunft sieht doch so aus, dass der Landwirt immer weniger in große und spezielle Landmaschinen investieren wird. Von dieser Entwicklung profitiere wiederum der Lohnunternehmer mit seinem Fuhrpark. Dass die Branche durchaus in rosige Zeiten blicken kann, zeigen die Umsatzzahlen für 2010: Rund 500 Millionen Euro haben die im Verband organisierten Lohnunternehmer in Niedersachsen erwirtschaftet Tendenz steigend.
