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Biogas-Anlage Kritische Fragen an jungen Unternehmer

GROßENSIEL - Er ist 33 Jahre jung, leger gekleidet und hat sein volles Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden. Und er ist Geschäftsführender Gesellschafter einer Firma mit rund 100 Mitarbeitern: Matthias Kief. Sein Unternehmen Bioconstruct sitzt in Melle und will für den Bauern Andreas Speckels-Suhren eine Biogas-Anlage bauen.

„Zu dicht an den Häusern“

Am Donnerstagabend stellte er im Saal des Restaurants Haus Weserstrand die technischen Details des Projekts vor – und musste sich dabei mit vielen kritischen Fragen auseinandersetzen. Rund 120 Einwohner, überwiegend aus dem Wohngebiet östlich des Mittelwegs, waren zu dieser von der Stadtverwaltung veranstalteten Bürgerversammlung gekommen (die

NWZ

  berichtete kurz). Mehrere Bürger forderten, die Biogas-Anlage nicht so dicht an ihren Häusern zu errichten.

Matthias Kief sagte, sein Unternehmen habe schon rund 90 Biogas-Anlagen gebaut. Die nördlich des Gewerbegebiets Nordseestraße geplante Anlage wird eine Leistung von 499 Kilowatt erzeugen und 400 000 Liter Heizöl sowie 15 000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid im Jahr einsparen. Der größte Teil der Energie geht an die Wesermarsch-Klinik, die damit den Gleichwert von 280 000 Litern Heizöl im Jahr einsparen kann, sagte Kief.

Betrieben werde die Anlage mit den nachwachsenden Rohstoffen Gras, Mais und Rindergülle. Der von vielen Bürgern unterstellte Einsatz von Schweinegülle sei nicht vorgesehen, weil dafür nach neueren niedersächsischen Richtlinien zur Vorbeugung von Tierseuchen eine teure Desinfektion vorgeschrieben sei, die den Gewinn der Betreiber deutlich schmälern werde.

Aus den Vorstoffen entsteht das Gas Methan, das zum kleineren Teil zum Betrieb der Biogas-Anlage selbst genutzt und in einem Blockheiz-Kraftwerk an der Anlage in Strom für das EWE-Netz umgewandelt wird und zum größeren Teil über Leitungen aus geschweißtem Kunststoff zu einem zweiten geplanten Blockheiz-Kraftwerk an der Wesermarsch-Klinik geleitet wird. Diese Leitungen sind laut Kief identisch mit den EWE-Gasleitungen und verlaufen wie sie unter dem Bürgersteig an Mittelweg und Albert-Schweitzer-Straße. Sie sind für einen Druck bis 16 bar ausgelegt. Der Strom, den die EWE zu einem subventionierten Preis abnimmt, reiche für 1000 Haushalte.

Die Geruchsbelästigung sei zu vernachlässigen, sagte Kief weiter. Das Gutachten zeige, dass es weniger als zwei Prozent der Zeit rieche. Darin sei nicht eingerechnet, dass der Bauer dann keinen offenen Güllekeller mehr habe und die Gülle auch nicht mehr ausbringe. Stattdessen setze er ein Abfallprodukt der Anlage, das Substrat, als Dünger ein. Es sei nahezu geruchlos.


Neue Schalldämpfer

Nachgebessert worden sei im Auftrag des Kreises das Schall-Gutachten. Der Betreiber muss an den Blockheiz-Kraftwerken für 50 000 Euro Schalldämpfer nachrüsten. In zehn Metern Entfernung darf nur noch ein Geräuschpegel von 39Db zu hören sein – das ist Flüster-Ton. Auch die Biogas-Anlage sei in 15 Metern Entfernung nicht mehr zu hören.

Zunehmen werden die Transporte. 25 000 Tonnen müssen jährlich in die Anlage hinein und aus ihr heraus transportiert werden. Davon sind 12 500 Transporte zusätzlich zu den jetzt schon beim Bauern zu verzeichnenden. Bei 15 Tonnen pro Fahrt sind das 833 Fahrten pro Jahr, sagte Kief – im Wesentlichen verteilt auf vier Ernte- und vier Dünge-Tage im Jahr. Das sei angesichts von mehr als 14 000 Fahrzeugen täglich an der Ecke Bundesstraße 212/Großensieler Straße eine Zunahme von 1,1 Prozent.

Die Zuwegungen zur Anlage stelle der Landwirt selbst her. Sie führten über die Nordseestraße und das Betriebsgelände, aber nicht über den Mittelweg.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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