GROSSENSIEL - Selten haben sich Günter Mehrtens und seine Kollegen vom Heimatverein Club Weserstrand so über einen wolkenverhangenen Himmel gefreut. „Am Sonnabend war es einfach viel zu heiß. Wir hatten mehr Marktbeschicker als Besucher“, berichtete der Vorsitzende am Sonntagmorgen bei der Eröffnung des 30. Großensieler Fischmarktes. Und Günter Mehrtens hatte mit seiner Einschätzung nicht einmal übertrieben. Nur die wenigsten hatten Lust, sich bei Temperaturen weit über 30 Grad im Großensieler Glutofen grillen zu lassen. Es herrschte gähnende Leere an den Ständen, und die Schausteller machten lange Gesichter.

Das sah am Sonntagvormittag ganz anders aus. Ein Gewitter hatte am frühen Morgen die staubtrockene Luft des Vortages kräftig durchgewaschen. Ein leichte Brise sorgte für Erfrischung, und so kamen die Besucher zu Hunderten, um die maritime Atmosphäre auf dem Fischmarkt zu genießen. Unter flatternden Wimpelketten sang der Nordenhamer Shantychor seine Lieder. Im Garten des Hauses Weserstand ließen sich die Besucher nieder, um den Melodien der Stadtkapelle Nordenham zuzuhören.

Der Abbehauser Ortsbürgermeister Karl-Heinz Wedemeyer wünschte den Besuchern viel Vergnügen. Und der Präsident des Deutschen Fischereiverbandes, Holger Ortel, gab den Fischmarkt-Freunden noch einige Zahlen mit auf den Weg. Nach seinen Worten werden in Deutschland im Jahr 2,2 Millionen Tonnen Fisch verarbeitet. Nur ein Siebtel davon wird allerdings in deutschen Gewässern gefangen. Ein Großteil wird exportiert. Jeder Deutsche isst im Jahr 14,5 Kilo Fisch – Tendenz steigend.

Und dazu gehört auch Granat. Bei der Butjadinger Fischereigenossenschaft gab’s das Kilo für 6,90 Euro. „Der Markt sei ein wenig angespannt, berichtete Verkäufer Jens Ortel. „Jahreszeitlich bedingt werden zurzeit mehr kleine als große Schalentiere gefangen.“ Räucherfisch gab’s am Stand des Butjadinger Fischereivereins: Makrelen und Forellen, außerdem Hering mit Kartoffelsalat. Der Erlös ist für die Kinderkrebshilfe und für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger bestimmt.

Die Stände an beiden Seiten des Hafenbeckens boten aber nicht nur Fisch. Die Fliegenden Händler hatten von Plüschtieren über geflochtene Körbe und Schmuck bis hin zur Autopolitur allerlei Nützliches und Unnützes mitgebracht. Die Kinder amüsiertem sich bei Karussellfahrten, die Eisverkäufer hatten Hochkonjunktur, und an den Bierbuden kam der Zapfhahn selten zum Stillstand. Mittendrin im Getümmel verkauften die Frauen des Handarbeitskreises City-Süd Gestricktes und Gesticktes: vom Brötchen-Beutel bis zur Handy-Socke. Der Erlös ist ebenfalls für einen guten Zweck bestimmt.


Am Nachmittag, als die Sonne das schützende Wolkenschild durchbrach, lichteten sich wieder die Reihen auf dem Fischmarkt. Insgesamt sind die Besucherzahlen im Vergleich zu den vergangenen Jahren zurückgegangen. Der fröhlichen Atmosphäre tat dies aber keinen Abbruch. Vor allem bei der Badewannen-Regatta (siehe Bericht auf der nächsten Seite) herrschte eine prima Stimmung.