Varel - „Großer Bahnhof“ im übertragenen Sinne ist in Varel am Montag gewesen. Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer und Niedersachsens Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Volker Liersch gaben das Startsignal für die Fahrt eines Sonderzugs nach Rastede, in dem neben anderen Ehrengästen auch der Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesverkehrsministerium und Ulrich Bischoping, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Niedersachsen und Bremen einstiegen.
Mit dabei waren auch Repräsentanten der Region, darunter Frieslands Landrat Sven Ambrosy, die Bürgermeister Gerd-Christian Wagner (Varel) und Andreas Meinen (Bockhorn), der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Werner Kammer (Zetel) und John H. Niemann, Präsident der Wilhelmshavener Hafenwirtschaftsvereinigung.
„Ein großer Tag für unsere Region, dass die Anbindung nun hergestellt ist und dass die Bahn ihre Versprechungen zumindest teilweise hat einlösen könne. Wir warten auf die nächsten Dinge“, so Varels Bürgermeister Wagner.
So sieht es auch Bockhorns Bürgermeister Meinen: „Die Zweigleisigkeit ist ein großer Fortschritt für unsere Region, und wenn wir noch die Elektrifizierung bekommen, um so besser. Insofern ist es ein Tag, über den wir uns freuen können. Natürlich hätte es schon eher passieren können, aber insgesamt ist das ein guter Fortschritt.“
„Wir sind optimal an das deutsche Bahnnetz angebunden“, würdigte Hans-Werner Kammer die Wieder-Inbetriebnahme der Bahnstrecke. Er nahm auch Stellung zu den Stolpersteinen, die seine eigenen Parteifreunde mit ihrem Ratsbeschluss in Oldenburg (kein Lärmschutz auf der bestehenden Strecke, stattdessen Bahnumfahrung) gelegt hatten. „Ich habe für die Entscheidung des Oldenburger Stadtrates, egal welcher politischen Couleur, gar kein Verständnis. Denn so bekommen die Oldenburger überhaupt nichts. Alle Verkehre dürfen durch Oldenburg fließen. Und das muss man sich bei allen Entscheidungen überlegen. Das schwächt das Gesamterscheinungsbild der Region.“
John H. Niemann, Präsident der Wilhelmshavener Hafenwirtschaftsvereinigung: „Es sind ein paar wenige Querulanten, wie es in Oldenburg so üblich ist. Aber unsere Geschäftsfreunde und die Industrie- und Handelskammer stehen hinter der Projektierung der Bahn, die Strecke durch Oldenburg zu ertüchtigen. Die Oldenburger haben einfach nicht begriffen, dass wir das auch für Oldenburg machen und für das Oldenburger Umland. Wir haben eine starke Wirtschaftskraft im Umland, die letztendlich das Gleis braucht. Und auch den Hafen von Wilhelmshaven. Die Oldenburger werden sich noch umorientieren. Davon gehe ich einfach mal aus.“
Während die geladenen Gäste im Sonderzug nach Rastede Platz nahmen, warteten die ersten Pendler schon auf den fahrplanmäßigen Zug. „Ich bin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Da freue ich, gerade jetzt im Winter, dass ich mein Auto stehen lassen kann und jetzt wieder mit der Nordwest-Bahn fahren kann. Es hat ja lange genug gedauert“, sagte Andreas Schlegel aus Varel. Der 53-Jährige pendelt nach Bremen.
Mit einem lauten Hupen setzte dann Lokführer Jörg Leßke aus Sande den Zug der Nordwest-Bahn in Bewegung. Parallel dazu fuhr eine Güterlok auf dem zweiten Gleis.
Ab Februar werden die Streckenertüchtigungen zwischen Hahn und Jaderberg sowie nördlich von Varel und südlich von Rastede fortgesetzt. Dort wird dann auch Lärmschutz aufgestellt.
