Sedelsberg - Wer sich nicht mit der Schafzucht auskennt, könnte im ersten Moment denken, dass auf Armin Bergmanns drei Hektar großer Weide ausschließlich kleine Lämmer grasen. Bei genauerer Betrachtung wird aber klar: Der 42-Jährige aus Sedelsberg gibt ausgewachsenen Böcken und Muttertieren eine Heimat – sie werden lediglich nicht größer als 50 Zentimeter. Der Grund: Bergmann züchtet Ouessant-Schafe, eine seltene Rasse aus Frankreich, die vor allem für ihren kleinen Wuchs und die schwarze Farbe bekannt ist.

„Mein Schwiegervater hat diese Rasse vor 13 Jahren auf einer Auktion entdeckt“, erzählt Bergmann. Er brachte Fotos von den Tieren mit, worauf seine Frau begeistert vorschlug, sich doch auch welche zuzulegen. „Am selben Tag noch sind sie hingefahren und haben sich ein paar Tiere gekauft“, lacht Bergmann.

Schnell wurde aus dem Hobby eine Leidenschaft. „Schafe sind an sich einfach toll“, meint Bergmann. Für die kleine Rasse, die nach ihrem Ursprungsort, der Île d’Ouessant vor der Westküste Frankreichs benannt ist, gelte dies besonders: „Mit ihrer schwarzen Fellfarbe sind sie schön anzusehen. Ihre Größe ist außergewöhnlich, und wenn man ihnen beim Grasen zuschaut, verfliegt der Alltagsstress schnell.“

30 Muttertiere und etwas mehr als die gleiche Anzahl Böcke beherbergt Bergmann auf seiner Weide in Sedelsberg. Außerdem erfreut er sich jedes Jahr im Schnitt über 30 Lämmer, die gezeugt werden. „Die meisten werden an andere Züchter weiterverkauft. Diese seltene Rasse ist sehr beliebt.“

In erster Linie werden die Tiere als „ökologischer Rasenmäher“ genutzt. Aufgrund ihres feinen, geschmacksintensiven Fleisches landen sie teilweise aber auch beim Schlachter. Das Fell wird wegen des hohen Aufwandes eher selten zu Wolle verarbeitet, ist jedoch für warme Pullover oder Röcke gut geeignet.


Im vergangenen Monat war Bergmann mit seinen Tieren auch bei der Münsterlandschau in Lindern dabei. Mit Erfolg: Eines seiner Tiere gewann im internationalen Wettstreit in der Kategorie „Schönstes Schaf“. „Anders als bei den gewöhnlichen Rassen wird bei Ouessant-Schafen nicht darauf geachtet, ob die Tiere besonders groß sind. Im Gegenteil: Je kleiner desto besser!“, schmunzelt Bergmann.