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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Gründer müssen mehr Künstler sein als Manager

12.06.2013

Oldenburg Am Anfang kommt die ernüchternde Realität: „80 Prozent aller Firmengründungen existieren nach fünf Jahren nicht mehr“, erklärt Dr. Günter Faltin den zahlreichen Zuhörern im Oldenburger Offis-Institut. Eingeladen hatte ihn der Marketing-Club Weser-Ems. Für den Professor der Freien Universität Berlin ist der derzeitige Ist-Zustand schlicht und einfach ein Skandal. „Gerade in einer Gesellschaft, die sagt, jeder könne sich verwirklichen.“

Laut Faltin besteht diese Möglichkeit jedoch durchaus. Insbesondere in der heutigen Wissensgesellschaft. „Kopf statt Kapital“ – so heißt nicht nur das Buch des Berliner Professors, sondern auch der Titel des Oldenburger Vortrags. Eine Aussage, die neugierig macht. Möglicherweise auch potenzielle Firmengründer von morgen, wie zahlreiche junge Gesichter im Publikum vermuten lassen.

Für diese hält Faltin eine einfache Botschaft parat: „Konzentrieren Sie sich auf ihr Konzept, ihre Idee. Trennen Sie das Konzeptionelle vom betriebswirtschaftlichen Alltagsgeschäft.“ Gründer statt Manager sein – so lautet Faltins Devise.

Man könnte an dieser Stelle den Vortrag als nette, jedoch praxisferne Idee abtun. Doch Faltin untermauert sein Konzept mit reichlich Praxiserfahrung. An zwölf Unternehmen sei er derzeit beteiligt, zahlreiche hat er mitgegründet. Beispielsweise die Teekampagne, ein Unternehmen, das Darjeeling-Tee importiert und preisgünstig in Deutschland vertreibt. „Dabei hatte ich damals weder von Tee noch von praktischer Unternehmensführung eine Ahnung“, gibt Faltin freimütig zu. Sein „Geheimnis“: Aufgaben an Profis delegieren.

Für eine Unternehmensgründung brauche es – wenn man Buchhaltung, Bilanzwesen und Produktion an externe Dienstleister auslagert – dann auch kein enormes Startkapital oder eigenes Fachwissen mehr. Eben nur ein sehr gut durchdachtes, innovatives Konzept, erklärt Faltin. Kopf statt Kapital. Der Entrepreneur, so Faltins Begriff für das kreative Unternehmertum, sei dem Künstler eben näher als dem Manager, glaubt Faltin.

Somit ist auch die anfangs erwähnte Realität für Faltin alles andere als in Stein gemeißelt: „Eigenes unternehmerisches Handeln kann zur Perspektive einer ganzen Generation werden“, ist er überzeugt. Auch einige seiner Zuhörer nicken nun zustimmend.

Martin Thaler Volontär / NWZ-Redaktion
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