Schortens - Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in der Stadt Schortens durch Kindergärten- und Krippenangebote gut geregelt. An der Vereinbarkeit von Politik und Beruf hapert es dagegen. Das zumindest ist die Auffassung der Grünen, die mit den parteilosen Ratsmitgliedern Anja Kindo, Anne Krüger und Wolfgang Ottens eine gemeinsame Gruppe bilden. Da fast alle Mitglieder dieser Gruppe beruflich eingebunden sind, ist es ihnen kaum möglich, Personal für den alle zwei Wochen tagenden Verwaltungsausschuss zu stellen.
Nicht nur Pensionäre
Dieser Ausschuss ist neben dem Rat das zweite politische Beschlussorgan, dort werden Entscheidungen für die Stadt getroffen. Und es ist das einzige Gremium der Stadt, das stets ab 14 Uhr tagt. Sitzungsbeginn bei Fachausschüssen und Stadtrat ist jeweils um 17 oder 18 Uhr.
Diese späte Uhrzeit sollte auch für den Verwaltungsausschuss möglich sein. Nur so sei sichergestellt, das Abgeordnete der Gruppe Grüne/ Krüger/Kindo/Ottens darin mitwirken könnten, sagt Martin von Heynitz (Grüne). Der entsprechende Antrag, über den der Stadtrat jetzt zu entscheiden hatte, stieß auf Sympathie bei der CDU und bei Teilen der Wählergruppe BfB. Doch der Versuch, „an der Uhr zu drehen“, scheiterte knapp an den Stimmen von SPD, halber BfB und Bürgermeister. Sie nannten zeitliche und organisatorische Gründe.
Wolfgang Ottens wies darauf hin, dass die an den Sitzungen beteiligten Fachbereichsleiter der Stadt die Sitzungszeit in den Abendstunden durch Gleitzeit wieder ausgleichen könnten. So wie es jetzt geregelt sei, werde eine ganze politische Gruppe kategorisch ausgeschlossen.
Diese Ansicht teilt Janto Just (BfB) nicht. Er erinnerte daran, dass auch die Ausschüsse des Kreistags bereits nachmittags um 14.30 Uhr beginnen. Er halte es für zumutbar, dass aus einer siebenköpfigen Gruppe doch ein oder zwei in der Lage sein müssten, die Termine wahrzunehmen.
Axel Homfeldt (CDU) wie auch Heinrich Ostendorf (BfB) schlugen sich auf die Seite der Antragsteller: „Wir müssen aufpassen, dass solch ein Beschlussorgan nicht nur von Pensionären besetzt ist, sondern die Bevölkerungsstruktur der Stadt widerspiegelt“, so Homfeldt.
Zeit freischaufeln
Udo Borkenstein (SPD) erklärte, dass es kaum Ruheständler im Verwaltungsausschuss gebe, sondern die Mandatsträger mehrheitlich alle beruflich eingebunden seien und sich Zeit freischaufeln müssten. Dass dies im öffentlichen Dienst selten ein Problem sei, merkte Anja Kindo an. Anderswo werde man schon schief angesehen vom Chef und Kollegen, wenn man sich alle zwei Wochen einen halben Tag frei nimmt, um sein politisches Ratsmandat wahrnehmen zu können. Problematisch sei das vor allem, wenn man neu im Job ist oder noch in der Probezeit.
Dass Just vorschlug, „für den Ausschuss Leute auszugucken, die Zeit haben“, brachte wiederum Ottens auf die Palme: „Dann können wir uns ja zwei Rentner besorgen und die da hineinsetzen. Ich dachte, es geht hier auch um Erfahrung und Kompetenz.“
Martin von Heynitz bedauerte, dass sich die Diskussion so entwickelt hat. „Wir haben wirklich Schwierigkeiten, die Termine wahrzunehmen. Wir haben unseren Antrag nur als Bitte verstanden.“
