Grüppenbühren - Oft war den Landwirten in diesem Jahr nicht zum Feiern zumute. Das klang am Samstagabend in der Gaststätte „Zur Linde“ in Grüppenbühren mehrfach an, als Landvolk, Landfrauen und Landjugend der Gemeinde Ganderkesee gemeinsam ihr Erntefest feierten.
Erst zu nass, dann zu kalt und schließlich sehr lange warm und extrem trocken war das Jahr – und jetzt werde es aufgrund der bescheidenen Erträge auch noch für alle teuer, stellte Harm-Dierk Kämena in seiner Ansprache fest. Der Landwirt aus Schönemoor hieß die Gäste zusammen mit Jana Eilers willkommen, auf deren Hof die Schönemoorer Landfrauen diesmal die Erntekrone gebunden hatten.
„Hoffnung vertrocknet“
Kämena machte deutlich, dass der Hitzesommer der Landwirtschaft nicht nur in ökonomischer Hinsicht geschadet hat. Auch ihr Image habe gelitten. Zum einen, weil ihr ein Großteil der „Schuld“ am Klimawandel zugeschoben werde, zum anderen durch die frühzeitigen Rufe des Bauernverbandes nach finanziellen Hilfen. Schon Ende Juli eine Milliarde Euro einzufordern, sei ungeschickt gewesen. „Von der ursprünglich geforderten Summe ist gerade einmal ein Drittel übrig geblieben“, resümierte Kämena. Von den Dürrehilfen, die die niedersächsischen Landwirte seit Monatsbeginn beantragen können, werde kaum ein Betrieb profitieren. „Da hat Anfang November die Großwetterlage ein weiteres Mal zugeschlagen und auch unsere Hoffnungen auf echte Hilfe vertrocknen lassen.“
Eine „Hilfe zur Selbsthilfe“ hätte aus Kämenas Sicht die Aufhebung der Einschränkungen für die so genannten Greening-Flächen dargestellt, um dort nachträglich Tierfutter anzubauen und zu ernten. Doch hier sei es bei einer bloßen Ansage seitens der Politik geblieben. „Warten auf Hilfe von oben ist keine Lösung. Wir können uns nur untereinander helfen“, lautete Kämenas Fazit an seine Berufskollegen gewandt. Sicher sei, dass es im Frühjahr nirgends Futterüberschüsse geben werde.
Auch Pastorin Uta Brahms von der ev.-luth. Kirchengemeinde Ganderkesee griff in ihrer kurzen Andacht die Nöte der Landwirte auf. Sie appellierte, sich nicht nur darum zu sorgen, dass „immer genug da“ ist, sondern auch darauf zu besinnen, „was wir wirklich zum Leben brauchen“, und nahm mit einer kurzen Geschichte auf einen Abschnitt aus der Bergpredigt Bezug: „Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“
Party mit DJ
Ihrer Aufforderung, das Hier und Jetzt zu genießen und sich aufs Nötige zu besinnen, kamen die Feiernden sogleich nach: Am Schnitzelbüfett stärkten sie sich für den weiteren Abend und feierten anschließend zur Musik von DJ Tobi bis in die Nacht.
Dass das Ortslandvolk aus dem Ernteball, der viele Jahre von einem Theaterstück begleitet war, ein eher lockeres Erntefest gemacht hat, kommt offenbar an: Die Veranstaltung, die zum dritten Mal im Gasthof Sievers stattfand, war ohne jede Werbung im Vorfeld schnell ausverkauft. Vollauf zufrieden zeigte sich da auch Organisator Onno Osterloh aus dem Landvolk-Vorstand. „Seit zwei, drei Jahren läuft der Ernteball wieder rund!“, freute sich der Landwirt aus Immer.
