Grüppenbühren/Hengsterholz - So viel freie Fläche hat Friedhelm Blankemeyer sonst nicht in seinen beiden Lagerhallen: Wo bis zu 400 große Holzkisten mit jeweils zehn Zentnern Kartoffeln Platz finden, stehen jetzt nur etwas mehr als 250. „Fast ein Drittel weniger“, sagt der Kartoffelbauer aus Grüppenbühren – das ist die Ernte 2018.

2600 Hektar Kartoffelacker im Kreis

Niedersachsen ist das Kartoffelland Nummer eins in Deutschland. Von den 250 000 Hektar, auf denen im Vorjahr Kartoffeln angebaut wurden, liegen 112 000 zwischen Ems und Elbe. Im Landkreis Oldenburg beackern die Kartoffelbauern rund 2600 Hektar Fläche.

Größter Produzent weltweit ist China, Deutschland liegt auf Platz sechs. Gut 11,7 Millionen Tonnen wurden 2017 bundesweit geerntet – in China sind es jährlich 100 Mio. Tonnen.

Der Verbrauch lag 2016/ 2017 laut Bundes-Agrarministerium bei 58 Kilo je Einwohner. Der Preis für Kartoffeln ist in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant geblieben. Wegen der mageren Ernte 2018 wird jetzt aber eine deutliche Steigerung erwartet.

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) spricht gar von „einer der schlechtesten Kartoffelernten überhaupt“ in Niedersachsen. „25 Prozent weniger Erträge als im vergangenen Jahr“ sind es nach Angaben der Landwirtschaftskammer – „und da sind die beregneten Flächen schon eingerechnet", betont deren Sprecher Walter Hollweg in Oldenburg. Selbst mit künstlicher Bewässerung war in diesem trockenen Sommer nicht viel zu holen auf den Kartoffelfeldern.

„Die Sonne hat uns ganz schön zugesetzt“, bestätigt Friedhelm Blankemeyer. Geerntet wurde meistens früh morgens und am Abend, wenn die Hitze erträglicher war. Mitte Juni fing mit den frühen Sorten die Ernte an, Ende September war sie eingefahren. „110 Tage Arbeit“, bilanziert Blankemeyer. Der Aufwand war der gleiche wie in anderen Jahren – der Ertrag indes blieb auch bei ihm um 25 bis 30 Prozent unter der üblichen Menge.

Ähnlich fällt die Bilanz auf dem Kartoffelhof Moorschlatt in Hengsterholz aus: „Von der Menge her haben wir fast 30 Prozent weniger in diesem Jahr“, sagt Heiko Moorschlatt. Die Kartoffeln seien durchweg kleiner – aber durchaus von guter Qualität, weil sie wegen der Trockenheit langsamer wachsen konnten. „Im vergangenen Jahr war die Ernte sehr gut, diesmal nicht so – aber wir kommen klar“, so Moorschlatt, für den solche jährlichen Schwankungen zum Geschäft dazugehören.

„Da wir viele Sorten im Programm haben, können wir das ganz gut kompensieren“, erklärt der Hengsterholzer, der 20 verschiedene Kartoffelsorten auf rund zwölf Hektar Fläche anbaut. Bei einigen – Belana und Laura zum Beispiel – habe er auch noch dickere Knollen geerntet. Moorschlatt verkauft seine Ware überwiegend selbst auf den Wochenmärkten in der Region, ein kleiner Teil geht an Restaurants und Fleischereien mit Mittagstheken.

Aufgrund der knappen Ernten werden die Preise etwas anziehen, erwartet er – „aber man weiß nie, wie die Nachfrage sich entwickelt.“ Gerade jüngere Leute, so Moorschlatts Beobachtung, würden zunehmend auf fertige Kartoffelprodukte aus den Supermarktregalen zurückgreifen, statt frische Kartoffeln selbst zuzubereiten. Das sieht auch Friedhelm Blankemeyer so: „In vielen Familien wird gar nicht mehr Mittagessen zubereitet.“ Deshalb gehe auch die Tendenz zu kleineren Gebinden beim Direktverkauf: „Die 2,5- und 5-Kilo-Säcke werden zunehmend nachgefragt.“ Der Kilopreis im Endverkauf liegt bei Blankemeyer zurzeit bei 1,20 Euro.


Die geringeren Vorräte könnten die Preise noch steigen lassen – aber das trifft auch wiederum die Landwirte. Friedhelm Blankemeyer zum Beispiel muss für die nächste Ernte Pflanzkartoffeln zukaufen. „Ich hoffe“, sagt er, „es gibt noch genug!“

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)