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Serie „Kleines, feines Dorf zum Wohlfühlen“

GRUMMERSORT - Hans-Jürgen Mahlstede sitzt im Wohnzimmer von Gerit Menkens auf der Couch und blättert durch ein Buch. Beide Männer leben in Grummersort, beide teilen sich das Amt des Bezirksvorstehers: Mahlstede im Süden, Menkens im Norden. Auch Heiko Wenke sitzt in der Runde, er ist der Vorsitzende des jungen Grummersorter Dorpvereens. Das Buch, das da vor ihnen auf dem Tisch liegt, behandelt eigentlich die Geschichte vom „Wüstenland“. Aber auch Grummers­ort taucht an einigen Stellen auf – obwohl sich sonst nicht viel über die Dorf-Geschichte in alten Schriften finden ließe, bedauern die drei Männer. Doch auch wenn die Chronik Lücken hat: Heute kennt man das westlich von Hude gelegene Grummersort über die Dorfgrenzen hinaus.

„Nichts zu meckern“

„Wir haben eine funktionierende Dorfkneipe, einen Dorfplatz und jede Menge Leute, mit denen wir gut zusammenarbeiten können – es gibt nichts zu meckern“, fasst Mahlstede zusammen. Für ihn sei Grummersort ein „sehr schöner Arbeits- und Lebensmittelpunkt“. Und das – da sind sich die drei Männer einig – finden auch Auswärtige.

Viele Zugezogene lebten hier, aufgegebene Höfe fänden schnell einen neuen Besitzer. Der Planetenlehrpfad – auch wenn von zwei Hudern gebaut – sei einzigartig und beliebt bei Ausflüglern. Genauso wie das Dorf selbst, mit seinen alten Eichenbeständen, das auch ein beliebtes Ziel für Kohlfahrten sei. Und die Discos, die früher in der Gaststätte „Zur Mühle“ – für Einheimische: bei Buchholz – stattfanden, seien auch außerhalb des Ortes beliebt gewesen. Das Revival, die jährliche Oldie-Wiedersehensfete (in diesem Jahr am 16. April), sei immer noch ein Publikumsmagnet. „Wir haben auch schon Andrea Berg und Helene Fischer hier gehabt“, setzt Mahlstede die Liste fort – und Menkens witzelt: „Das ist Hans-Jürgens Ding.“

Die Grummersorter selbst, sagt Menkens, schätzen die Nähe zu Oldenburg und Bremen – und die gute Anbindung über den Wüstinger Bahnhof. „Es ist ein Ort, klein, aber fein“, urteilt er mit einem Augenzwinkern, „in dem sich die Bürger wohlfühlen. Auch wenn der Ort als solcher etwas hinterzu liegt.“ Zumal es im angrenzenden Wüsting, nur drei Fahrminuten entfernt, Einkaufsmöglichkeiten gebe.

Rund zehn landwirtschaftliche Betriebe werden im Ort noch bewirtschaftet, darunter auch die Hofgemeinschaft Grummers­ort, auf der mehrere Familien zusammenleben und den Hof biologisch-dynamisch bewirtschaften.

Und auch wenn manche Höfe nicht mehr landwirtschaftlich, sondern privat genutzt werden: Sie bestimmen das Ortsbild. „Das Gros der Häuser ist von 1580 bis kurz nach 1600 gebaut worden“, sagt Mahlstede. Einem dieser alten Höfe hat das Dorf seine erste urkundliche Erwähnung zu verdanken. 1578 rissen wütende Linteler Bauern das Haus der Familie Geveshausen auf heutigem Grummersorter Gebiet nieder: Der Landwirt hatte sich auf einer Fläche niedergelassen, die Bauern aus Wüsting und Lintel zum freien Viehtrieb genutzt hatten. Das Haus wurde wieder aufgebaut und steht noch heute, liest sich in der Chronik übers Wüstenland.

Der Name der Ortschaft stamme jedoch von der Familie Grummer, erklären Mahlstede, Menkens und Wenke – der entsprechende Hof befände sich bereits seit 1609 in Familienbesitz.

Heute leben etwas mehr als 300 Menschen in Grummers­ort – am Zusammenhalt hat sich nichts geändert, der sei sehr gut, sind sich die drei Männer einig.

Beispiele haben sie genug: Sei es das Engagement für die Vereine in Grummersort und den benachbarten Dörfern, oder bei großen Aktionen wie Osterfeuer und Maibaumsetzen. In den Wüstinger Dorfplatz auf Grummersorter Gebiet, der in den 80ern im Zuge der Flurbereinigung gebaut worden war, hätten die Bürger viel Eigenleistung gesteckt. Und erst im Februar haben sie den Dorpvereen gegründet (die

NWZ

 berichtete).

Dem Ort verbunden

„Wir wollten das Grummersorter Dorfleben aktivieren“, sagt Vereinschef Wenke. „Mehrere haben gesagt: Mensch, wir können doch mehr als ein Osterfeuer.“ Zudem sollte das ohnehin vorhandene Engagement auf eine „solide Basis“ gestellt werden. Bei der Gründungsversammlung seien viele Neuzugezogene dabei gewesen. „Ein gutes Zeichen, dass auch sie sich dem Ort verbunden fühlen“, findet Wenke. Er weiß, wovon er spricht – wie Menkens ist er aus dem benachbarten Holle zugezogen. „Wer will“, sagt Wenke, „hat bestimmt keine Probleme mit den Grummersortern.“

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