Oldenburger Münsterland - Die positive wirtschaftliche Entwicklung, aber auch Probleme wie die Flächenkonkurrenz zwischen Gewerbe, Wohnungsbau und Natur, die Konzentration der Veredelungswirtschaft, die großflächigen Monokulturen zur Versorgung der Biogas-Anlagen sowie die Nitrat-Belastung des Grundwassers waren Themen einer Podiumsdiskussion am Sonnabend in der Aula der Uni Vechta. Eingeladen hatte der Heimatbund für das Oldenburger Münsterland. „Agrarstruktur und Kulturlandschaft im Wandel: Wohin steuert das Oldenburger Münsterland?“ (OM) hieß die Frage.
In der zweieinhalbstündigen Diskussion unter der Moderation von Uwe Haring, Geschäftsführer des Ecoparks in Emstek, erörterten der ehemalige Minister Uwe Bartels, jetzt Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland, Hubertus Berges, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg, der Cloppenburger Landrat Hans Eveslage und sein Vechtaer Kollege Albert Focke sowie Prof. Dr. Werner Wahmhoff, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und Alfons Wieschmann, Vorsitzender des Kreisverbandes Vechta des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes die weitere Entwicklung des OM.
Eveslage betonte, dass in seinem Landkreis zurzeit 116 Biogas-Anlagen in Betrieb seien. Die ersten würden bereits wegen zu hoher Pachtkosten für den Maisanbau wieder stillgelegt. Darüber hinaus betonte er, dass eine stärkere Kontrolle der Gülle-Emission notwendig sei. Die Landwirtschaftskammer habe die Kontrollen nicht im erforderlichen Umfang vorgenommen.
Focke kritisierte scharf die Handelsketten, deren Billig-Fleisch-Angebote die Landwirtschaft kaputt machten. Die Energiewende sei darüber hinaus zu früh gekommen. Jetzt müssten Steuerzahler und Verbraucher für eine schlechte Subventionspolitik bei Photovoltaik-Anlagen, Windkraftwerken und Biogas-Anlagen die Zeche zahlen.
Berges sagte, ein Überleben der landwirtschaftlichen Betriebe nur bei Spezialisierung möglich sei. Er widersprach vehement der Darstellung, dass weite Teile des Grundwassers in der Region mit Nitraten verseucht seien.
Wahmhoff forderte moderne Stallbauten zur direkten Trennung von Gülle und Stallmist sowie eine neue Aufbereitungstechnik, damit der Überschuss an organischem Dünger aus den Zentren der Veredelungswirtschaft in Zukunft ohne teure Transportkosten in Ackerbau-Regionen eingesetzt werden kann.
Bartels appellierte an die Unternehmen der Region, neue Konzepte zur Lösung der Grundwasserbelastung zu entwickeln. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für große Stallbauten mit intensiver Tierhaltung sei verloren gegangen. Wieschmann forderte bessere Filtersysteme für die Stallanlagen zur Senkung der Geruchsbelästigung.
