Friesoythe - Die Tierhaltung ist im Oldenburger Münsterland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Doch wohin mit den agrarischen Reststoffen wie Gülle oder Gärresten aus Biogasanlagen? Bislang werden die Stoffe auf hiesigen Ackerflächen ausgebracht oder in weiter entfernte Ackerbauregionen verbracht. Gerade hier in der Region bewegt man sich diesbezüglich aber bereits am Limit.
„Das westliche Niedersachsen benötigt für die tierischen Nährstoffüberschüsse und die Effizienz der Stoffströme neue Lösungen“, ist daher der Friesoyther Gert Stuke überzeugt. Denn wenn man das Problem nicht in den Griff bekomme, so Stuke, werde die Tierhaltung in der Region weniger – und dann bestünde die Gefahr, dass die Unternehmen der Weiterverarbeitung abwandern würden.
Das möchte der Friesoyther mit einer technischen Neuheit verhindern. Dafür wird auf dem Gelände der Deponie Sedelsberg eine mobile Transformationsanlage zur Aufbereitung von Schweinegülle und Gärresten errichtet – „als technische Alternative für eine sinnvolle und kostengünstige Verwertung“. Die Anlage, die aus mehreren mobilen Modulen besteht, soll auf dem 3000 Quadratmeter großen Testgelände zunächst für ein Jahr im Probebetrieb laufen.
Ziel dieser Anlage ist, über mehrere Prozessstufen in einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft alle Inhaltsstoffe zu separieren. Wertvolle Rohstoffe wie Phosphor oder Ammoniak können dann für die Herstellung von Düngemitteln genutzt werden. Zudem haben agrarische Reststoffe einen Wassergehalt von über 90 Prozent. Diese Flüssigkeit soll größtenteils herausgeholt und nach mehreren Reinigungsstufen soweit aufbereitet werden, dass sie in fließende Gewässer eingeleitet werden kann. Täglich sollen rund 30 Kubikmeter aufgearbeitet werden. Lieferanten gebe es bereits. Geruchsemissionen seien nicht zu erwarten, so Stuke. Zehn Mitarbeiter werden die Arbeitsabläufe vor Ort betreuen.
Diese Art der Aufbereitung von Gülle und anderen agrarischen Reststoffen ist nach Angaben von Stuke europaweit einmalig. Gemeinsam mit fünf weiteren Gesellschaftern – allesamt Unternehmen aus Niedersachsen – hat er für die Durchführung des Pilotprojektes die Friesoyther Kaskum GmbH & Co. KG gegründet. Dabei ist Gert Stuke der alleinige Geschäftsführer. Das neue Unternehmen wird eine siebenstellige Summe in die Transformationsanlage auf dem Deponiegelände investieren.
Das Projekt wird dabei wissenschaftlich von der Universität Bremen und dem Fraunhofer Institut „Umsicht“ in Oberhausen wissenschaftlich begleitet – und ist ergebnisoffen. Das bedeutet, dass der einjährige Probebetrieb wieder eingestellt wird, sollten die Erwartungen nicht erfüllt werden.
„Wir sind aber zuversichtlich“, sagt Stuke. Bei Erfolg wolle man dann intensiver in das Thema einsteigen und in eine große Aufbereitungsanlage investieren. Wo diese dann stehen könnte, sei bislang noch nicht geklärt.
