GUT HOLZKAMP - Wieder ging der Schwarze Tod in Norddeutschland um. Auch aus dem Baltikum, den Niederlanden, aus Stockholm und England wurde die Pest gemeldet. Man schrieb das Jahr 1464. Zwei „besondere“ Todesfälle sollten jetzt das abseits gelegene Gut Holzkamp zu ungewollter Bekanntheit führen: Am 9. August 1464 raffte es hier den Grafen Moritz von Oldenburg dahin, Bruder des als Straßenräuber bekannten Grafen Gerd von Oldenburg. Auch Moritz’ Frau fiel dem Schwarzen Tod zum Opfer.
Erst wenige Jahre zuvor, 1440, war das große Anwesen aus dem Dunkel der Geschichte aufgetaucht, es wurde erstmals urkundlich erwähnt – und zwar als adeliges freies Gut „tom Holteskampe“. Es habe sich von Schlutter bis Immer erstreckt, heißt es in der Hof-Geschichte.
1656 endete die Herrschaft der Blaublütigen, die Zeit der Bürgerlichen begann. Der Grund? Der Oldenburger Graf Anton Günter habe es ja geschafft, sein Land durch geschickte Diplomatie weitgehend aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) herauszuhalten, erklärte der jetzige Eigentümer des Anwesens, Herbert Breithaupt. Seine Theorie: Diese gräfliche Diplomatie habe möglicherweise sehr viel Geld gekostet – so dass Anton Günter nach dem Krieg etwas klamm war und deshalb das Gut versilberte. 3700 Reichsthaler brachte der Verkauf in die gräfliche Kasse.
Neuer Gutsherr war jetzt der Leutnant Benedikt Stölting, bis dato schwedischer Amtsschreiber. Vier Generationen lang sollte dessen Familie das Geschehen auf dem Gut prägen – bis im Jahr 1758 Wilhelm Stölting an den Hannoverschen Zollverwalter und Postmeister Carl Friedrich Barnstedt aus Verden verkaufte. Der Preis: 17 000 Reichstaler „in vollwichtigem französischen Geld“, wie Heimatforscher Hans Grundmann einst zitierte.
1809 begann das bislang jüngste Kapitel der Guts-Geschichte, geschrieben von der Familie Breithaupt. Am Anfang stand eine stattliche Summe: 62 550 Reichstaler musste der Kaufmann Anton Friedrich Breithaupt auf den Tisch legen. Etwa 360 Hektar sowie die Immobilien habe er dafür bekommen, weiß Herbert Breithaupt.
Doch die Hektarzahl sollte sich in den nächsten Jahrhunderten deutlich verringern – etwa durch Erbteilung, aber auch durch eine Versteigerung von Brinksitzerstellen im Jahr 1855 (dadurch entstand Neu-Holzkamp) oder eine Enteignung während des NS-Regimes (zum Bau des Flugplatzes Adelheide).
Ein eher ungewöhnliches Intermezzo sah das Gut in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg: Jetzt wurde hier eine „Privatanstalt für Nervenkranke beiderlei Geschlechts“ betrieben. Auch mit der Natur pur rührten die Breithaupts damals die Werbetrommel: „Ausgedehnte Wiesen und Felder, ein großer schöner Garten mit mächtigen Kastanien und ein herrlicher Park umgeben den Gutshof, der idyllisch auf einer Anhöhe liegt.“
Heute, etwa 100 Jahre später, sind alte marode gewordene Gebäude abgerissen, neue entstanden. Längst ist die Familie Breithaupt zur Landwirtschaft zurückgekehrt. Eines ist immer geblieben: die Idylle.
