Nordenham - Was den genervten Anwohnern ohnehin klar war, ist jetzt gutachterlich bestätigt und offiziell dokumentiert: Die Schallmessungen im Umfeld der Krähenkolonien haben gezeigt, dass dort eine erhebliche Lärmbelastung auftritt. „Da ist es wirklich sehr laut“, fasst Peter Kania, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Bauordnung, die Messergebnisse an den drei untersuchten Stellen im Stadtgebiet zusammen.
Wie berichtet, hatte die Stadtverwaltung für die Wohngebiete, die sich in Nachbarschaft des Friedeburg-Parks, des Ilseplatzes und der Gateteiche-Anlage befinden, ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben. Die Auswertung der im Mai und im Juni erfolgten Aufzeichnungen ist jetzt abgeschlossen. Die von einem Bremerhavener Ingenieurbüro ermittelten Dezibelwerte lassen keinen Zweifel daran, dass der von den Saatkrähen erzeugte Krach beträchtlich ist und die Anwohner stark belastet.
Zwar gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte für Vogelgeschrei, aber ein Vergleich mit den Richtlinien der Technischen Anleitung (TA) Lärm macht das Ausmaß der Plage deutlich und hilft bei der Einordnung der Dezibelzahlen. Ausschlaggebend sind die Pegelmittelwerte in den Nachtstunden von 22 bis 6 Uhr. In den Wohngebieten am Rand der Krähenkolonien lagen die niedrigsten Nachtpegelwerte im Mittel bei 34 bis 35 Dezibel, während sich die höchsten auf 50 bis 57 Dezibel beliefen.
Diese enorme Steigerung lässt sich leicht erklären: So lange es dunkel ist und die Krähen in den Bäumen schlafen, herrscht Ruhe. Doch wenn sie mit dem ersten Tageslicht munter werden, geht der Radau los. Zu der Zeit liegen die meisten Menschen noch im Bett und können gut darauf verzichten, von kreischenden Krähen aus dem Schlaf gerissen zu werden.
Die bis zu 57 Dezibel im Umfeld der Krähenreviere liegen deutlich über den Nacht-Richtwerten der TA Lärm, die 35 Dezibel für reine Wohngebiete, 40 Dezibel für allgemeine Wohngebiete und 45 Dezibel für Mischgebiete vorsehen. Sogar die am Tag zulässigen Werte der TA Lärm werden teilweise überschritten.
Nach Angaben des Amtsleiters Peter Kania ist es angemessen, die Siedlungen in Nachbarschaft der Krähenvölker als Mischgebiete einzustufen. Demnach übersteigen dort die nächtlichen Lärmpegel in der Brutzeit der Krähen die entsprechenden Richtwerte der TA Lärm um 5 bis 12 Dezibel.
Während am Ilseplatz die Belastung zum Teil noch im Grenzbereich liegt, zeigen die Messungen am Friedeburg-Park und an den Gateteichen eine sehr hohe Lautstärke auf.
Die Gutachter haben nicht nur die Durchschnitts-, sondern auch die Spitzenwerte erfasst und protokolliert. Sie betragen 60 Dezibel am Ilseplatz, 65 Dezibel an den Gateteichen und 67 Dezibel am Friedeburg-Park. „Entscheidend ist aber das Dauergeräusch“, sagt Peter Kania.
Für ihn steht außer Zweifel, dass ein Handlungsbedarf besteht, um die Anwohner vor dem Lärm zu schützen. Das geht nur, indem die Vögel vertrieben werden. Im Fachjargon heißt das „Vergrämung“. Die unter Schutz stehenden Vögel zu verscheuchen, ist aber gar nicht so einfach, weil Krähen schlaue Tiere sind. Zurzeit arbeitet die Stadtverwaltung an einem Maßnahmenpaket, das sie im September in einer Sitzung des Umweltausschusses vorstellen will.
