Frau Debbeler, werden Frauen im Kreishaus schlechter bezahlt als Männer?

DebbelerNein, im öffentlichen Dienst ist die Vergütung klar geregelt. Dort gibt es in vergleichbaren Positionen keine Ungerechtigkeit. Bei uns im Hause ist das Schwerpunktthema Familienfreundlichkeit. Zudem wollen wir verhindern, dass durch Zeiten der Familienphasen im beruflichen Werdegang der Frauen der Anschluss verloren geht.

Wie steht es allgemein um das Gehalt der Frauen?

DebbelerLaut statistischem Bundesamt beträgt die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern knapp 22 Prozent. Die Zahl ist aber unbereinigt, da wesentlich mehr Frauen in Teilzeit arbeiten und aufgrund dessen weniger verdienen. Es gibt auch eine bereinigte Zahl im Hinblick auf Qualifikation, Position und Arbeitszeit. Doch auch danach zeigt sich immer noch eine Lohnlücke von sieben Prozent.

Kann das auch an falscher Taktik bei Gehaltsverhandlungen liegen?

DebbelerJa, Frauen treten oft zu bescheiden auf. Wenn sie nach Gehaltsvorstellungen gefragt werden, reagieren sie häufig zurückhaltend und schüchtern. Männer sind da ganz anders. Die Frauen müssen angemessen reagieren, aber das muss man lernen.

Was erwarten Sie von den Arbeitgebern?

DebbelerDas Motto des EPD lautet „Berufe mit Zukunft – Was ist meine Arbeit wert?“. Die Bezahlung in Zukunftsberufen muss besser werden. Dazu gehören auch klassische Frauenberufe in Erziehung und Pflege. Ein Bauarbeiter bekommt für körperlich schwere Arbeit Erschwerniszulagen. In der Alten- und Krankenpflege muss man auch Personen heben und körperlich an die Grenze gehen. Dort gibt es keine Zulage. Es geht bei der Entlohnung auch um Wertschätzung.

Und was können Frauen selbst tun?

DebbelerViele wollen immer noch in Berufe, die per se schon schlechter bezahlt werden, wie das Friseurhandwerk. Wir müssen bei der Bildung und Ausbildung ansetzen und das Interesse der Frauen für IT-Berufe, Technik und Naturwissenschaften wecken. Bei höheren Bildungs- und Berufsabschlüssen erhöhen sich auch die Chancen auf bessere oder gar gleiche Bezahlung. Sieht man sich die IT-Branche an, tritt dort die geringste Lohnlücke bei vergleichbarer Qualifikation und Arbeitszeit auf. Mit Informationen, Beratungen und Kooperationen mit öffentlichen und privaten Einrichtungen sowie Unternehmen auf der Arbeitgeberseite möchten wir Frauen unterstützen, sich bei entsprechender Eigeninitiative besser auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)