Oldenburg/Vechta/Berlin - „Erfreulich“ sei die Entwicklung am regionalen Ausbildungsmarkt, fasst Ulrich Thies, Geschäftsführer bei der Arbeitsagentur Oldenburg/Wilhelmshaven, die vergangenen Jahre zusammen. Doch er sieht auch Defizite: So sei es nicht gelungen, das Auseinanderdriften der Nachfrage – zu Gunsten von kaufmännischen Berufen, zu Lasten von gewerblichen – abzuschwächen. Dabei böten gewerbliche Berufe doch „ganz andere, oft sehr gute Perspektiven“.

Dagegen werde nach kaufmännischen Lehren längst nicht jeder übernommen. Die jungen Leute würden dann oft Warteschleifen drehen oder in andere Bildungswege drängen. Oder sie würden eben nur befristet eingestellt. Bewerber sollten verstärkt ihre Talente jenseits der „Weiße-Kragen-Berufe“ – im gewerblichen technischen Bereich oder auch in der Pflege – entdecken können, rät er.

Insgesamt habe sich die positive Entwicklung fortgesetzt. Demnach wurden 2013 bei der Arbeitsagentur Oldenburg/Wilhelmshaven von den Betrieben vier Prozent mehr freie Ausbildungsplätze gemeldet (5049). Zugleich ging die Zahl der registrierten Bewerber um sechs Prozent zurück (auf 6784). Bis Ende Oktober seien 240 Lehrstellen unbesetzt geblieben – und 280 Jugendliche (Vorjahr 180) ohne Ausbildungsplatz. Darunter seien auch Bewerber aus Vorjahren. Mancher habe Einschränkungen. Wichtig seien mehr Plätze für Praktika, Einstiegsqualifizierung und begleitete Ausbildung. Firmen sollten nicht nur auf Noten schauen. Mancher Jugendliche entwickele sich noch.

Ähnliches Bild im Oldenburger Münsterland: Dort wurden 2826 freie Ausbildungsplätze gemeldet – 2,4 Prozent mehr. Zugleich suchten 2791 mit Hilfe der Berufsberatung eine Lehrstelle – 5,2 Prozent weniger, wie Vechtas Agenturgeschäftsführer Dr. Thorsten Müller berichtet.

Die „hervorragenden Chancen“ im Handwerk – wie Übernahme, Aufstieg und Weiterbildung, Selbstständigkeit – betonte Heiko Henke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg. Man frage sich, warum nicht mehr junge Leute diesen attraktiven Weg gingen. Die Kammer wurde von der rückläufigen Schulabsolventenzahl getroffen. Es gab 9,8 Prozent weniger neue Lehrverträge (3260).


Bei der IHK ergab sich ein Minus von 0,6 Prozent auf 4937 neue Verträge. Auch dies sei aber einer der bisher höchsten Werte, betonte der stellvertretende Abteilungsleiter Stefan Bünting. Viele Firmen stellten sich auf den veränderten Markt ein – und böten den Azubis „Mehrwert“ in Form von Auslandsaufenthalten, Sportförderung, Preisen für Spitzenleistungen oder auch Weiterbildung.

Günstig ist die Lage in den „grünen Berufen“, wie Edda Albers, Fachbereichsleiterin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, deutlich machte. Die Zahl der neuen Verträge sei um rund 100 auf 6085 gestiegen. Gewinner sei dabei der Beruf „Landwirt/in“. Der Bedarf an Fachkräften sei angesichts Betriebsvergrößerungen und Spezialisierungen gegeben. Gleichwohl blieben auch Lehrstellen frei. Oft wisse man in den Familien nicht genug über die Berufe.

In Deutschland wurden 482 400 neue Lehrverträge abgeschlossen, wie in Berlin bekanntgegeben wurde – 4,1 Prozent weniger als 2012. Damit dürfte die Zahl der neuen Lehrverträge erstmals knapp unter derjenigen der Studienanfänger liegen. Hier werde mit 500 000 gerechnet.

Unterdessen suchen Betriebe schon intensiv nach Kandidaten für eine Ausbildung – für 2014. Elke Fenske, Teamleiterin der Berufsberatung in Oldenburg, riet: Nicht warten, jetzt informieren (Berufsberatung: 0800/4555500) und zügig bewerben!

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)