HAARENTOR - „Ich komm‘ dann aber nochmal vorbei und sag‘ richtig Tschüss“, betont der ältere Herr. Er ist einer der vielen Stammkunden von Marlene und Horst Harfst, die seit 24 Jahren den Kiosk am Schützenweg 4 betreiben. Silvester ist für sie Schluss. Sie gehen in den Ruhestand. Im fliegenden Wechsel übergeben sie das Geschäft ab 1. Januar an Carsten Süßmilch, der auch einen Kiosk an der Klingenbergstraße hat. „Man braucht in diesem Metier schon zwei Standbeine“, sagt der 37-Jährige.

Das kann Marlene Harfst nur bestätigen. Während sie den Oldenburger Kiosk unter ihren Fittichen hatte, arbeitete ihr Mann in einem zweiten außerhalb der Stadt. Doch nun werden sich beide ganz zurückziehen. „In ein tiefes Loch fallen wir bestimmt nicht“, ist sich die 64-Jährige sicher. Mit ihrem Mann möchte sie nun viel reisen. „Und endlich haben wir mal Zeit, unsere Kinder zu besuchen“, sagt sie. Die Tochter wohnt in Hamburg, der Sohn in Burhave.

Das Familienleben sei schon eingeschränkt gewesen, erzählt die Geschäftsfrau. Sie habe aber immer darauf geachtet, dass ihre Kinder nicht zu kurz kamen. So wurde früher im Hinterzimmer gekocht und gemeinsam Mittag gegessen. „Und die Kinder fanden es auch toll, mal im Kiosk zu bedienen.“

365 Tage im Jahr waren die Harfst für ihre Kunden da. „Geschlossen hatten wir nie. Und das ging auch nur, weil wir so tolle Mitarbeiter haben“, sagt Marlene Harfst. Der Weihnachts- und Silvesterdienst im Kiosk – das war für sie nie ein Problem. „Da ist dann immer was los“, erzählt sie lachend. Von vielen ihrer Kunden kennt sie die Lebensgeschichte. Doch die Geschäftsfrau erzählt nichts weiter – Diskretion ist oberstes Gebot. Nur von eigenen Erlebnissen berichtet sie. Zum Beispiel von dem Retter in der Not: „Eine schwangere Mitarbeiterin hatte einen Schwächeanfall und war hinter den Tresen gesunken. Ein Kunde bemerkte das zum Glück und alarmierte Hilfe.“

Die Kundschaft im Kiosk ist bunt gemischt. „Studenten aller Nationalitäten haben wir hier, viele Senioren kommen zu uns und alle Altersgruppen dazwischen“, so Marlene Harfst. Obwohl sie und ihr Mann in Ganderkesee wohnen, fühlen sie sich wie Oldenburger. „Wenn wir durch die Innenstadt gehen, grüßen uns ganz viele Leute.“ Das ergehe auch ihren Angestellten so. Und dazu weiß sie eine lustige Begebenheit zu erzählen. „Eine unserer Damen wurde auf dem Kramermarkt von einem Kunden angesprochen mit den Worten: Sie haben ja auch Beine. Er kannte doch nur ihre obere Hälfte hiner der Ladentheke“


Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden sich die Harfst. „Wir freuen uns, einen guten Nachfolger gefunden zu haben“, sagt die 64-Jährige. Und sie gibt Carsten Süßmilch und dessen Frau Tanja, die drei Söhne haben, einen Tipp: „Ans Geschäft denken, aber nicht die Familie vergessen.“