Wardenburg - Haare waschen. Das klingt so einfach, macht man ja schließlich fast jeden Morgen. Trotzdem habe ich ganz schön mit Shampoo und Wasser zu kämpfen. „Dichter ran an den Kopf und immer schön die Hand vor den Haaransatz halten“, ermahnt mich Claudia Grotelüschen. Die Friseurgesellin im Salon Bremer schaut mir ganz genau auf die Finger, damit Kundin Tanja Eickelberg es nicht doch noch bereut, sich einem absoluten Neuling im Friseursalon anzuvertrauen.
Nach ein paar Minuten spüre ich das erste Ergebnis: Mein Rücken fängt an zu zwicken. Zumindest ich freue mich, als es nach dem intensiven Waschen nun mit dem Frisieren weitergeht.
„Wir nehmen gerne Praktikanten, weil man so sehr schnell merkt, ob jemand Talent für den Beruf hat. Allein schon die Kleidung verrät viel, ob der Bewerber ein Gefühl für Farben und Formen besitzt“, sagt Saloninhaber Oliver Bremer.
Muss ich mir jetzt Gedanken machen? Ich darf vom klassischen Dreikampf „Waschen, Schneiden, Fönen“ jedenfalls nur diejenigen Disziplinen ausprobieren, bei der keine Schere benötigt wird. Diese Bedingung hat Kundin Eickelberg gestellt, und obwohl ich das bedauere, kann ich es ihr nicht verübeln.
Das Verteilen von etwas Schaumfestiger in den nassen Haaren klappt noch auf Anhieb, aber dann gerate ich bei meiner Aufgabe, mehr Volumen in das glatte Haar zu fönen, ins Schleudern. In der rechten Hand der Fön, in der linken die Rundbürste aus Keramik – und die soll ich jetzt von unten ins Haar rollen, mit der heißen Luft erhitzen und nach einer kleinen Gedenkpause wieder aus dem Haar rollen.
Irgendwie fehlt mir dafür aber eine weitere freie Hand. Mindestens. Merkwürdig, bei der Gesellin sieht das alles so leicht aus. Mit dem Fön hebt sie die Haare an, dreht die Bürste so schnell, dass ich’s kaum sehe und fönt das Haar trocken. „Kräftiger nach oben ziehen, sonst kommt kein Volumen in die Frisur“, fordert sie außerdem von mir. Meine Angst, ich könnte der Kundin weh tun, ist offenbar unbegründet.
Zum Schluss darf ich sogar noch Lidschatten, Wimperntusche und Lippenstift auftragen. Meine Hände zittern leicht. Aufregung oder Alter frage ich mich noch, da ist es auch schon passiert: Etwas Mascara landet auf der Augenbraue statt den Wimpern.
Zum Glück weiß Claudia Grotelüschen zu helfen. Mit einem leicht angefeuchteten Wattestäbchen pinselt sie das Schwarz aus Tanja Eickelbergs Gesicht. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit den Kontrollspiegel halte und meine Kundin zufrieden lächelt, kann auch ich aufatmen. 75 Minuten habe ich mit viel Hilfe gebraucht, um eine gute Frisur ein wenig aufzupeppen. Ausgebildete Friseure schaffen das locker in der Hälfte der Zeit.
