Elsfleth - Was für ein Ärgernis! Da hat man einmal als Gast die Chance, in südlichen Gefilden auf der Brücke eines Containerschiffs zu stehen, man darf Sydneys tolle Skyline samt Opernhaus bewundern.
Während Europa winterlich bibbert, darf man sich über den australischen Sommer freuen – und dann das: Aus leichtem Seegang werden haushohe Wellen, aus sanfter Brise wird ein brüllender Sturm, Hagel- und Schneeschauer versperren dem Kapitän die Sicht, der Containerriese hebt und senkt sich. Wer jetzt meint, den Boden unter den Füßen zu verlieren, schluckt mehrmals und hofft auf einen stabilen Magen.
Solch eine Seefahrt ist nur lustig, wenn es sich um ein Szenario handelt, das den Gästen auf Brücke 1 im Elsflether Schiffsführungssimulator die technischen Möglichkeiten ganz nah an der Realität vermittelt. Ein paar Kollisionen standen auch auf dem Programm, aber die konnte der technische Leiter, Diplom-Ingenieur Klaus Damm, per Knopfdruck in letzter Sekunde vermeiden.
Zum ersten Mal hatte das Elsflether Touristik-Büro interessierte Gäste zu einer Führung durch das Simulatorgebäude eingeladen. Den 14 Besuchern vermittelte Klaus Damm – vor der virtuellen Schifffahrt – die Entstehungsgeschichte des Schiffsführungssimulators. Der Bau des Simulators in Elsfleth war nach der Einführung des neuen STCW 95 Abkommens (Regelwerk für die Ausbildung und Zertifizierung von Wachgängern) nötig geworden. Nach einjähriger Bauzeit konnte das Gebäude mit seinen technischen Einrichtungen pünktlich zum Deutschen Seeschifffahrtstag, der 2001 in Elsfleth stattfand, am Standort Kaje eröffnet werden. Die Kosten des Gesamtprojektes lagen bei rund 10 Millionen Mark. Klaus Damm: „Im Frühjahr 2016 wird die Anlage mit einem großen technischen Upgrade und neuen Software-Versionen zukunftsfest gemacht – so können die technischen Standards für die nächsten zehn bis 15 Jahre sichergestellt werden.“
