Hamburg - Volkswagen schickt für seine ersten Roboterwagen-Tests in einer deutschen Großstadt fünf Elektro-Golfs auf einige Hamburger Straßen. Die Fahrzeuge sind bestückt mit elf Laserscannern, 14 Kameras, Ultraschall- und Radarsensoren, wie Axel Heinrich, Leiter der VW-Konzernforschung, am Mittwoch sagte. Allein die Computertechnik nimmt den gesamten Kofferraum des Fahrzeugs ein. Sie verarbeitet bis zu fünf Gigabyte Daten pro Minute. Es wird immer ein Fahrer an Bord sein, um bei Bedarf eingreifen zu können.

Die Autos fahren zunächst auf einem drei Kilometer langen Teilstück einer neun Kilometer langen Strecke, die Hamburg eigens für Testzwecke definiert hat und mit zusätzlicher Infrastruktur aufrüstet. So können die Ampeln direkt mit den Autos kommunizieren.

Bislang habe VW autonomes Fahren auf dem Wolfsburger Werksgelände getestet, der Schritt in den realen Stadtverkehr bedeute eine neue Herausforderung. „Es gibt viel mehr Situationen mit Radlern, Fußgängern, Gehwegen, schnellen Spurwechseln, Ampeln, schmaleren Spuren“, sagte Heinrich. Für Autobahnen, wo alle Fahrzeuge kreuzungsfrei in ähnlicher Geschwindigkeit in dieselbe Richtung fahren, seien autonom fahrende Fahrzeuge einfacher zu entwickeln.

In den USA gehören vor allem im Silicon Valley selbstfahrende Autos im Stadtverkehr zum Alltag. In Kalifornien haben 62 Unternehmen die Erlaubnis, Roboterwagen auf öffentlichen Straßen zu testen, dazu gehören aus Deutschland VW und Mercedes sowie die Zulieferer Bosch und Continental.

Als besonders fortgeschritten gilt die Google-Schwesterfirma Waymo, die seit einigen Monaten den ersten kostenpflichtigen Robotaxi-Service in einem Vorort der Stadt Phoenix im US-Bundesstaat Arizona betreibt. Er steht zunächst ausgewählten Anwohnern offen und soll mit der Zeit ausgeweitet werden. Waymo testet auch Fahrzeuge ohne Menschen am Steuer, in den kommerziellen Dienst kommen die Wagen allerdings noch mit einem Sicherheitsfahrer.


Volkswagen kooperiert bei seinen Roboterwagen-Systemen unter anderem mit dem amerikanischen Start-up Aurora. Es wird vom ehemaligen Leiter von Googles Roboterwagen-Programm, Chris Urmson, geführt.

Die Hamburger Wetterbedingungen könnten die Fahrzeuge auf die Probe stellen: Regen, Schnee und Glatteis gelten nach wie vor als eine Herausforderung für die Systeme. „Am Ende sollen die Autos unter allen äußeren Bedingungen fahren, unter denen auch ein Mensch fahren könnte“, sagte Helge Neuner, bei der VW-Forschung verantwortlich für autonomes Fahren. „Aber deutlich sicherer.“ Zunächst werde es jedoch Einschränkungen und Begrenzungen geben.

Das VW-Versuchsprojekt und die nutzer- und herstelleroffene Teststrecke gehören zu den Vorbereitungen der Hansestadt für den Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme (ITS) im Herbst 2021. Hamburg hat dazu rund 50 Einzelprojekte angeschoben und Partnerschaftsverträge mit großen Unternehmen abgeschlossen, darunter VW.

Das Projekt zum autonomen Fahren wird vom Bund mit mehr als zehn Millionen Euro gefördert; der Beitrag des VW-Konzerns ist mindestens ebenso hoch.