• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Unter-Wasser-Lärmschutz für Schweinswale

09.08.2018

Hamburg /Borkum Leisere Bauarbeiten unter Wasser: In der Nordsee sollen neue Fundamente für Windräder im kommerziellen Betrieb erprobt werden, die ohne Rammarbeiten und größere Lärmbelästigungen für die empfindlichen Schweinswale auskommen. Der kanadische Energiekonzern Northland Power, der 95 Kilometer nordwestlich von Borkum weit draußen auf dem offenen Meer den Windpark „Deutsche Bucht“ mit 31 Turbinen baut, wird zwei zusätzliche Windräder auf sogenannten Saugeimer-Fundamenten (Suction Buckets) errichten. Eine Genehmigung durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) liege seit Mai vor, teilte Northland Po­wer mit.

Die beiden „Eimer“ in dem Windpark sind 61 Meter hohe Stahlkonstruktionen mit einem Gewicht von 1100 Tonnen. An ihrem unteren Ende bilden sie einen offenen Zylinder mit einem Außendurchmesser von 19 Metern.

Der Zylinder wird auf dem Meeresboden aufgesetzt und das Wasser herausgepumpt. Durch den Unterdruck und sein Eigengewicht gräbt sich das Eimer-Fundament bis zu 18 Meter tief in den Meeresboden. Darauf kommen ein Zwischenstück und die Windturbine, in diesem Fall ein Modell von Vestas mit 8,4 Megawatt Leistung. Die Arbeiten sind für das zweite Quartal 2019 geplant.

Bislang ist die meistverbreitete Technik, einen schweren Stützpfeiler im Meer zu verankern, der das Windrad trägt. Der Stahlträger wird mit einem hydraulischen Hammer in den Meeresboden getrieben. Bei einem Rammstoß entsteht Lärm von mehr als 180 Dezibel, deutlich mehr als bei einem startenden Düsenjet. Der Stoß ist unter Wasser noch in mehreren Kilometern Entfernung wahrzunehmen. Vor allem die empfindlichen Schweinswale, die ähnlich wie Fledermäuse ein akustisches Bild ihrer Umgebung zur Orientierung nutzen, können schweren Schaden nehmen, aber ebenso Seehunde, Fische und Bewohner des Meeresbodens.

Fast 1200 Windkrafträder wurden allein in der deutschen Nordsee auf diese Art errichtet, doppelt so viele werden noch folgen. Strenge Grenzwerte und verschiedene Maßnahmen sollen den Geräuschpegel möglichst gering halten. Doch zu dem Baulärm kommt Krach aus den Schiffsmotoren, die Verlegung von Kabeln auf dem Meeresgrund und das Sonar der Schiffe. „Die Meeressäuger finden kaum noch ruhige Gebiete zur Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung“, sagt Kim Cornelius Detloff, Meeresschutz-Experte der Umweltorganisation Nabu.

Der Saugeimer-Versuch findet den Beifall der Naturschützer, aber sie äußern auch Kritik: „Das Problem sind die langen Planungszeiten von mehreren Jahren, während derer auch die Fundamente schon bestellt werden“, sagt Detloff. Deshalb werden auch im Windpark „Deutsche Bucht“ nur zwei Bonus-Windräder über die eigentliche Genehmigung hinaus mit der neuen Technologie gebaut, die übrigen 31 Anlagen dagegen mit herkömmlicher Technik.

Vattenfall hat vor Schottland bereits einen kleineren Windpark im Bau, der komplett mit Suction Buckets errichtet wird. Ørsted hat im Windpark „Borkum Riffgrund 2“ bei 20 von 56 Fundamenten diese Technologie genutzt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.