HAMBURG/EDEWECHT/HARKEBRüGGE - Der deutsche Marktführer für Rohschinken, die Firma Abraham aus Seevetal bei Hamburg, hat Appetit auf mehr: Der Umsatz soll 2008 um drei bis vier Prozent wachsen, sagte Geschäftsführer Jürgen Abraham in Hamburg. 2007 wurde das Geschäft – gegen einen schwachen Markttrend – um drei Prozent auf 191 Millionen Euro ausgebaut. Man habe „wieder einen Schritt nach vorn gemacht“, so Abraham.
Besonders gefragt waren die „leichte Linie“ sowie Serrano-Schinken aus einem eigenen Werk in Spanien. Eher mühsam entwickele sich dagegen das Bio-Segment. Rückläufig sei der Absatz über die Bedientheken. Abraham setzt seine Ware etwa je zur Hälfte über Discounter und den traditionellen Einzelhandel ab.
Immer beliebter sind die Schinken im Ausland. Dort wuchs der Umsatz 2007 um neun Prozent auf 37 Millionen Euro. Bei der Erschließung neuer Märkte steht Osteuropa im Fokus. Dort steige der Bedarf an „anspruchsvollen Produkten“.
Wachsende Märkte – das ist auch eine gute Nachricht für die größten Abraham-Produktionsstandorte in Harkebrügge (Kreis Cloppenburg) mit 290 Mitarbeitern und Edewecht (Kreis Ammerland) mit 160 Arbeitsplätzen. Beide Werke haben wichtige zentrale Funktionen für die gesamte Gruppe. In Harkebrügge werden nicht nur Land- und Edelschinken hergestellt; dort sind auch der Zuschnitt und die Logistik konzentriert. Aus Edewecht, wo Ammerländer Kernschinken und Leicht-Schinken produziert werden, kommen alle Würfel-Produkte, erläuterte Marketingleiter Stephan Holst. Zudem sei dort das Qualitätsmanagement der Gruppe (20 Mitarbeiter) angesiedelt.
Abrahams Mitarbeiterzahl (650) blieb 2007 konstant. Werksschließungen bzw. Verlagerungen in Billiglohnländer schließt man trotz erheblichen Drucks am Markt aus. „Niemals“, sagt der Chef dazu. Der Grund seien „die Menschen“ und ihre traditionellen Fähigkeiten – gerade im Oldenburger Land – im Umgang mit dem Produkt. Auch die „Luft“ der Region sei nicht austauschbar.
Abraham produzierte 2007 rund 4,1 Millionen Rohschinken. Zum Vergleich: Bei der Firmengründung 1971 waren es 20 000. Jürgen und Rolf Abraham entdeckten dann das Oldenburger Land als Produktionsort. 1985 erwarben sie die Schinkenräucherei Helmut Schumacher in Harkebrügge. 1998 kamen die Ammerländer Schinkenräucherei Sandstede in Edewecht und Diers in Rastede hinzu.
Beim Ammerländer Kernschinken handelt es sich um eine EU-geschützte geografische Angabe, erläuterte Holst. Nur in dieser Region hergestellter Schinken dürfe als „Ammerländer“ bezeichnet werden. Abraham produziert auch im Schwarzwald, in Belgien und in Spanien.
Als große Herausforderung bezeichnete Jürgen Abraham den Konzentrationsprozess im Handel und auch bei den Rohstoff-Lieferanten. Entlastend wirkte 2007 der gedrückte Schweinepreis.
