HAMBURG/HANNOVER - Hamburg macht ernst in seinem Kampf um die renommierte Container-Reederei Hapag-Lloyd: Eine Gruppe örtlicher Kaufleute und Investoren hat ein Angebot für den Kauf abgegeben. Das von dem früheren Hamburger Finanzsenator Wolfgang Peiner und dem Privatbanker Christian Olearius koordinierte Bieterkonsortium habe der TUI AG als Verkäuferin nach einigen Wochen intensiver Arbeit ein wettbewerbsfähiges Angebot vorgelegt, teilte die Privatbank M.M.Warburg am Montag mit.
An diesem Tag sollte die Bieterfrist ablaufen.
In Hamburg befürchtet man, dass die Reederei – eines der wichtigsten Unternehmen am Ort – an asiatische Investoren verkauft wird. Damit könnte auch die Zentrale in Hamburg gefährdet werden.
„Unser Konsortium sichert die Eigenständigkeit von Hapag-Lloyd langfristig ab“, sagte Peiner. Die „Hamburger Lösung“ vereine institutionelle und private Investoren. Sie verfolgten mit einem Erwerb der Hapag-Lloyd AG klar definierte finanzielle und strategische Ziele: Hapag-Lloyd solle als eigenständige Reederei mit Sitz in Hamburg erhalten werden und den wirtschaftlichen Erfolg fortsetzen und ausbauen.
Als Berater für das weitere Erwerbsverfahren wurden KPMG und Latham & Watkins sowie M.M.Warburg & CO beauftragt, hieß es in der Mitteilung. Neue Mitglieder des Konsortiums wurden nicht genannt.
Der Preis der Reederei wird auf bis zu fünf Milliarden Euro geschätzt. Börsennotierte Reedereien haben allerdings in den vergangenen Monaten bis zu ein Viertel ihres Wertes verloren. Die Hamburger Gruppe ist bislang der einzige Interessent, der sich zu seinem Angebot bekennt. Es sollen auch Reedereien aus Asien, namentlich aus Singapur und Hongkong, sowie Finanzinvestoren am Kauf der Hapag-Lloyd AG interessiert sein. Offizielle Bestätigungen gibt es dafür bislang nicht.
Unterdessen baute der russische Großaktionär Alexej Mordaschow seinen Einfluss in dem Hapag-Mutterkonzern TUI (Hannover) weiter aus. Der Stahlmilliardär habe seinen Anteil an der TUI auf 15,03 (bislang zehn) Prozent erhöht, teilte seine Beteiligungsgesellschaft S-Group am Montag mit. Damit ist Mordaschow in dem Reise- und Schifffahrtskonzern nun größter Aktionär – knapp vor dem streitbaren norwegischen Reeder John Fredriksen, der 15,01 Prozent der Anteile hält. Die Aufstockung stärkt im Machtkampf um TUI das Lager der Investoren mit touristischen Interessen, die der TUI-Führung um Konzernchef Michael Frenzel den Rücken freihalten.
