HAMBURG/HANNOVER - HAMBURG/HANNOVER/DPA/AFP/WI - Der ertragsschwache TUI-Konzern (Hannover), eines der größten Unternehmen Niedersachsens, will durch die Fusion seines Reisegeschäfts mit dem britischen Konkurrenten First Choice einen der profitabelsten Touristikriesen der Welt schmieden. Das neue Unternehmen heißt TUI Travel, hat seinen Sitz in London und soll dort an die Börse gebracht werden. Für die Arbeitsplätze bei TUI in Deutschland habe die Fusion keine „unmittelbaren Auswirkungen“, sagte Konzernchef Michael Frenzel am Montag. Ein Großteil der Spareffekte – die Rede war von 146 Millionen Euro – soll in Großbritannien anfallen.

Erst vor wenigen Wochen hatte die Karstadt-Quelle- Tochter Thomas Cook den britischen Reiseveranstalter MyTravel übernommen.

An der Börse machte die TUI-Aktie gestern einen Sprung und legte zeitweise um 14 Prozent zu. Branchenexperten beurteilten die Fusion des mit Abstand wichtigsten Geschäftsfeldes Touristik mit First Choice positiv.

Frenzel sagte, TUI treibe mit der Fusion die Konsolidierung in der europäischen Tourismusbranche aktiv voran. Der Zusammenschluss sei für TUI ein „entscheidender Schritt voran“. In den vergangenen Jahren war die TUI wegen ihres vergleichsweise geringen Börsenwerts mehrfach als Übernahmekandidat gehandelt worden. Finanzinvestoren hatten eine Zerschlagung des Konzerns gefordert.

An dem neuen Unternehmen TUI Travel hält die TUI AG die Mehrheit von 51 Prozent, First Choice 49 Prozent. TUI bringt seine touristischen Aktivitäten ein, mit Ausnahme der Hotelbeteiligungen. Dieses profitable Geschäft will die TUI eigenständig ausbauen. Die Schifffahrtssparte Hapag-Lloyd ist von der Fusion nicht betroffen.


Chef der neuen TUI Travel PLC wird der bisherige First Choice-Chef Peter Long. Frenzel übernimmt den Posten des so genannten Chairman der TUI Travel. Dies ist in etwa vergleichbar mit dem deutschen Posten eines Aufsichtsratsvorsitzenden.

Die neue Gruppe hat einen Umsatz von 17,6 Milliarden Euro und 27 Millionen Kunden in mehr als 20 Märkten. Der Branchenzweite Thomas Cook kommt nach der Fusion mit MyTravel auf etwa zwölf Milliarden Euro.

First Choice setzte 2006 mit 15 000 Mitarbeitern rund vier Milliarden Euro um. Die TUI (33 000 Beschäftigte) verzeichnete in ihrer Touristik-sparte Erlöse von 14,1 Milliarden Euro. Der neue Reiseriese TUI Travel hat 101 Veranstaltermarken, mehr als 3500 Reisebüros sowie sieben Fluggesellschaften mit mehr als 150 Flugzeugen.

TUI rutschte 2006 tief in die roten Zahlen: Nach Steuern betrug das Minus 846,6 Millionen Euro – nach 496,3 Millionen Euro Gewinn im Jahr zuvor.