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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Forscher im NWZ-Interview: Schulden sehr bedenklich

12.07.2019
Frage: Herr Vöpel, 184 Billionen US-Dollar beträgt derzeit die weltweite Verschuldung, so der Internationale Währungsfonds (IWF). Das sind 225 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Beunruhigt Sie das?
Vöpel: Die Welt als Ganze kann sich nicht verschulden. Aber zweifellos ist ein solch hoher globaler Schuldenstand bedenklich, weil er Krisen auslösen kann. Das Anwachsen der weltweiten Verschuldung in den letzten Jahren ist aber besonders bedenklich, weil es sich in einer weltkonjunkturell guten Zeit vollzogen hat...
Frage: ... die jetzt auszulaufen scheint?
Vöpel: Ja, die Weltwirtschaft schwächt sich deutlich ab und das Problem: Wir haben bereits niedrige Zinsen und somit haben die Notenbanken keinen Spielraum mehr, die sich abschwächende Konjunktur mithilfe der traditionellen Geldpolitik, also durch Zinssenkungen, wieder in Schwung zu bringen.
Frage: Die letzte weltweite Schuldenkrise liegt zehn Jahre zurück. Hat die Welt nichts dazugelernt oder ist die Risikobereitschaft angestiegen?
Vöpel: Beides trifft zu. Nach der weltweiten Finanzkrise ab 2007 haben Staaten mit umfangreichen Konjunkturprogrammen versucht, ihre Wirtschaften zu stützen und teils hoch verschuldete Banken mit erheblichen Finanzspritzen vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Das hat die Staatsverschuldung kräftig ansteigen lassen. Flankierend haben die Notenbanken die Leitzinsen stark gesenkt. Das war zweifellos ebenfalls eine notwendige Maßnahme. Aber die unverhältnismäßig lange anhaltende Phase niedriger Zinsen hat dazu verführt, dass zunehmend auch unrentable Investitionen getätigt oder gestützt wurden. Viel Geld floss zudem in die Aktienmärkte, die durch die lockere Geldpolitik massiv nach oben getrieben worden sind.
Frage: Ab wann wird Staatsverschuldung zum Problem?
Vöpel: Es gibt empirische Berechnungen, die allerdings nicht von allen Ökonomen geteilt werden. Danach gelten Staatsverschuldungsquoten in Höhe von 80 bis 90 Prozent als unbedenklich – ab dann wird es kritisch. Aber wichtig ist natürlich, wozu die Verschuldung dient: Ist das Geld vor allem in den Konsum geflossen, so werden keine Erträge in ausreichendem Maße erwirtschaftet. Liegen die Staatsausgaben indes vorwiegend im investiven Bereich – wird also in Bildung, Ausbildung, Technologie und Infrastruktur investiert – dann werden in der Zukunft Erträge generiert, mit denen u.a. die Schulden wieder getilgt werden können.
Frage: Wie entscheidend ist es, wo der Staat die Schulden aufnimmt?
Vöpel: Weniger problematisch ist es wenn, wie im Fall Japans, die Staatsschulden von den eigenen Bürgerinnen und Bürgern gehalten wird. Hier hat der Staat ja letztlich das Steuermonopol. Ein wichtiger Punkt ist zudem die Währung, in der sich die Staaten verschulden. Kann dies in eigener Währung erfolgen – wie im Fall der USA – dann unterliegt die Schuldentilgung keinen Währungsschwankungen. Für kleinere Länder, wie z.B. die Türkei, Argentinien oder Brasilien, die i.d.R. eine Verschuldung in US-Dollar akzeptieren müssen, entstehen große Schwierigkeiten, wenn der Dollar aufwertet. Dann erhöhen sich die in Dollar zu leistenden Tilgungen. Die Tragfähigkeit der Verschuldung dieser Länder wird herabgesetzt.
Frage: Vor allem in den USA vertreten Volkswirte nun die Meinung, dass ein hoher Verschuldungsgrad in Zeiten niedriger Zinsen gar nicht so schlimm sei.
Vöpel: Dies ist eine neue Sicht, die vor allem von dem ehemaligen Chefökonomen des IWF, Oliver Blanchard, aber auch Vertretern der sogenannten Modern Monetary Theory angestoßen worden ist. Danach bedingen die niedrigen Zinsen nicht nur, dass Staatsschulden lediglich geringe fiskalische Kosten verursachen sondern auch, dass sie für das Gemeinwohl niedrige Kosten bedeuten. Das stimmt zweifellos bei der besonderen Zinskonstellation, mit der wir es derzeit zu tun haben. Kommt es aber zu wieder steigenden Zinsen, dann hat diese Aussage keine Gültigkeit mehr.
Frage: Sehen Sie kurzfristig eine globale Schuldenkrise?
Vöpel: Nein, dazu ist die Geldpolitik der Zentralbanken zu expansiv ausgelegt. Aber strukturell laufen wir eindeutig in die falsche Richtung. Weil sich diese Form der Geldpolitik und der Staatsverschuldung nicht ewig durchhalten lässt, könnte es im nächsten Jahrzehnt, auf dessen Schwelle wir ja bereits stehen, zum Schwur kommen.
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