Wenn es um den Umsatz pro Quadratmeter geht, liegt die Cloppenburger Innenstadt landesweit in der Spitzengruppe. Hier ist die massive Konkurrenz von Internet-Händlern wie Zalando, Amazon und Co. offenbar noch nicht angekommen, oder?
SchröderDas ist eine trügerische Sicherheit, in der sich in der Tat auch viele Cloppenburger Einzelhändler befinden, weil ihnen der Laden gehört und sie demnach keine Miete zahlen. Müssten sie Pachten von 4000 Euro und mehr im Monat entrichten, sähe es vielfach schon anders aus.
Was heißt das konkret?
SchröderBeispielsweise befindet sich der Buchhandel zurzeit im Plus, die Zahlen kommen aber ausschließlich im Internet-Handel und nicht bei den Geschäften vor Ort an.
Wie können die City-Geschäfte den Online-Kunden dazu bewegen, Rechner und Smartphone auszuschalten und den klassischen Einkaufsbummel neu zu entdecken?
SchröderNoch besserer Service, noch mehr Freundlichkeit und ausgeweitete Öffnungszeiten heißen die Schlagworte, unter denen sich die Innenstadt präsentieren muss. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ein frischer Strauß Tulpen an der Kasse – und das in jedem Geschäft – ist schnell hingestellt, aber auch ein Merkmal, das den Kunden schnell auffällt. Außerdem ist es wichtig, dass alle Cloppenburger Innenstadtgeschäfte montags bis freitags mindestens bis 18.30 Uhr und noch besser bis 19 Uhr aufhaben. Und sonnabends müssen durchgehend bis 18 Uhr die Türen geöffnet sein.
Zumindest, was den Sonnabend anbelangt, ist das wohl nur ein frommer Wunsch, oder?
SchröderWie es im Moment aussieht, leider ja. Viele Einzelhändler scheuen den aus ihrer Sicht größeren personellen Aufwand, weil der Umsatz ja angeblich gleich bleibt.
Angeblich?
SchröderWir müssen den Kunden Lust auf zusätzlichen Konsum machen. Ein Hemd wird heute nicht mehr gekauft, weil das alte daheim verschlissen ist. Es wird vor allem gekauft, weil es der Kunde im Laden gesehen hat, es schön findet und haben möchte. Einkaufen darf nicht nur der nackte Erwerb von Produkten sein – Einkaufen muss mehr und mehr zum Erlebnis werden. ,Wo sich Ärsche reiben, da rollt der Rubel’ zitierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung schon vor 30 Jahren den Gründer der Adler-Märkte anlässlich des Börsengangs der Bekleidungskette. Wir müssen also jede Chance
wahrnehmen, um die Frequenz in der Stadt zu erhöhen. Dazu wäre das Carré Cloppenburg bestimmt sehr gut geeignet.
Und wo drückt da der Schuh ganz besonders in Cloppenburg?
SchröderDas gastronomische Angebot muss erheblich ausgeweitet werden. Die Menschen fahren beispielsweise ins Centro nach Oberhausen oder in die Oldenburger Schlosshöfe, weil sie dort zu vernünftigen Preisen beim Einkaufen auch mal etwas Ausgefallenes essen und trinken können. Außerdem gibt es in Cloppenburg gerade in der schönen Jahreszeit viel zu wenig Außenbestuhlung.
Hier könnte doch auch die Stadtverwaltung Hilfestellung leisten, indem sie die umstrittene Sondernutzungssatzung zumindest für diesen Bereich streicht oder zumindest die Gebühren deutlich senkt, oder?
SchröderGastronomen haben es in Cloppenburg eh schon schwer genug. Da ist eine Sondernutzungssatzung nicht gerade förderlich. Das mag früher OK gewesen sein, heute muss man da aber wieder umdenken. Die Schnellen
und Flexiblen fressen die Großen und nicht mehr unbedingt die Großen die Kleinen.
Wie könnte die Stadt sonst noch unterstützend wirken?
SchröderIndem sie zum Beispiel bei den verkaufsoffenen Sonntagen oder Schautagen ohne Beratung und Verkauf nicht alles 110-prozentig auslegt. Im Internet kann sieben Tage rund um die Uhr eingekauft werden, das ist wirklich ein Kampf mit ungleichen Waffen.
Und wie will der Einzelhandel künftig mit dem sogenannten Beratungsklau umgehen? Pro Beratung fünf Euro?
SchröderSolche Ansätze bringen uns nicht weiter. Wir müssen positiv auf den Kunden einwirken und nicht mit irgendwelchen Mitleidsmaschen kommen.
Dann halten Sie also auch nichts einer Aktion, die in Tönisvorst bei Krefeld gelaufen ist. Dort bedeckten die Einzelhändler einen Tag ihre Schaufenster mit schwarzer Folie und beklebten sie mit Sprüchen wie „Ohne uns fehlen Blumen, Lichter und Weihnachtsbäume“.
SchröderWie gesagt. Wir müssen den Kunden positiv ansprechen. Bei einem hiesigen Buchhändler bekomme ich immer Esspapier – da habe ich mal ein Foto zum Thema ,Im Internet gibt’s kein Esspapier“ machen lassen. Und der Computer gibt auch keine Scheibe Wurst mit einem Lächeln über die Theke.
