Ofen - Auf Wilhelm Wiechmanns Stühlen haben schon viele bekannte Persönlichkeiten gesessen. Und das nicht nur im „Spieker“ in Bad Zwischenahn oder in vielen anderen namhaften Gastronomiebetrieben bundesweit. Auch Spitzensportler sitzen bisweilen auf den Stühlen aus Ofen – und sogar Schauspieler: 2007 stattete der Familienbetrieb auch die Film-Produktion „Operation Walküre“ mit Tom Cruise (als Hitler-Attentäter Claus von Stauffenberg) mit Stühlen aus, die auf Grundlage alter Fotografien in Ofen nachgebaut worden waren. Auf all das ist Wiechmann, der den Betrieb gemeinsam mit seiner Tochter Angela Heidemann führt, schon ein bisschen stolz.
Fast noch mehr scheint den 76-Jährigen aber zu freuen, was er unlängst in Bielefeld verliehen bekommen hat: den Goldenen Meisterbrief. Denn Wiechmann ist nicht nur Chef des Familienunternehmens. Er ist vor allem immer noch gerne Handwerker. „Es gibt keinen schöneren Beruf“, sagt er über das Tischlerhandwerk. Die Arbeit mit Holz und anderen Naturprodukten mache den besonderen Reiz aus. Andere Naturprodukte sind an der August-Hinrich-Straße in Ofen vor allem Binsen. Die werden für die typischen und dem Betrieb den Namen gebenden Stühle reichlich verarbeitet: „20 Zentner Binsen verarbeiten wir hier im Jahr“, erzählt Wiechmann. Eingekauft werden die im Juli/August geschnittenen Pflanzen stets für ein ganzes Jahr.
Erlernt hat er das Tischlerhandwerk bei Diers in Oldenburg. Nach seiner Gesellenprüfung 1956 arbeitete er anschließend bei den Möbelwerkstätten Wessels in Oldenburg. Dann zog es ihn in die Ferne. Zuerst nach Marbach am Neckar, dann nach Steinheim an der Murr. Nach dem Besuch der Techniker-Schule in Detmold legte Wiechmann am 31. Mai 1961 erfolgreich die Meister- und Technikerprüfung vor der Handwerkskammer Detmold ab. Und darin liegt auch der Grund, warum es den Goldenen Meisterbrief eineinhalb Jahre „zu spät“ gab. Zur Feierstunde in Gütersloh waren die Jubilare mehrerer Jahre eingeladen.
Eigentlich habe er die Prüfung seinerzeit in Oldenburg ablegen wollen. „Ich hatte die erforderlichen fünf Gesellenjahre aber noch nicht voll“, erzählt er. Und bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe war man nicht ganz so streng wie in seiner alten Heimat. Als Meister arbeitete er anschließend im elterlichen Betrieb, den er 1986 dann übernahm. Damit einher ging auch eine Umbenennung: „Ammerländer Binsenstühle seit 1901“ heißt das Unternehmen seitdem unter Bezug auf das Gründungsjahr durch seinen Großvater, den Drechslermeister Dietrich Wiechmann.
Fünf Mitarbeiter beschäftigt er heute dort: Tischer und Drechsler fertigen neben Binsenstühlen – „Die Rohrflechtarbeiten mache ich“ – auch andere Möbel. 25 Lehrlinge hat er in all den Jahren ausgebildet. Und: „Drei, vier Leute könnte ich jedes Jahr einstellen, weil die hier mit Massivholzarbeiten können.“
