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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Handwerk sieht Flüchtlinge als Chance

10.12.2015

Oldenburg Das Handwerk sowohl bundesweit als auch regional blickt optimistisch in die Zukunft. Bei der Vollversammlung der Handwerkskammer (HWK) Oldenburg am Mittwoch betonten die Redner zugleich, dass sich das Handwerk aktiv um die Integration von Flüchtlingen kümmern wolle und sie als Chance für die hiesigen Betriebe sehe.

„Dem deutschen Handwerk geht es gut“, sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), in seinem Gastreferat. Das Geschäftsklima habe mit einer Zufriedenheitsquote von 90 Prozent ein Allzeithoch erreicht. Für 2015 sei ein Umsatzplus „von mindestens zwei Prozent“ zu erwarten.

Trotz der guten Lage sei aber auch das Handwerk nicht frei von Herausforderungen. „Das Kardinalthema ist die Fachkräftesicherung“, meinte Wollseifer. Mit Sorge blickt der ZDH-Präsident dabei u.a. auf die fortschreitenden Akademisierungswelle. 57 Prozent eines Jahrgangs nähmen mittlerweile ein Studium auf: „Die Balance zwischen beruflicher und akademischer Bildung stimmt nicht mehr.“

Wollseifer kündigte an, sich u.a. für die Einführung eines „Berufsabiturs“, einer Kombination aus Gesellenbrief und Abitur, starkmachen zu wollen. In der Schweiz funktioniere dies mit Erfolg als „Lehre mit Matura“.

Vehement verteidigte er den Meisterbrief. Er sei „das identitätsstiftende Fundament“ für das deutsche Handwerk“, sagte er. „Wir werden ihn niemals aufgeben.“

Als einen „Mosaikstein“ im Kampf gegen den Fachkräftemangel bezeichnete Wollseifer auch die Integration von Flüchtlingen. Das Handwerk sei bereit, sich dieser Aufgabe zu stellen, die Betriebe dürften damit aber nicht allein gelassen werden: „Eine wichtige Voraussetzung erfolgreicher Integrationsarbeit ist, dass Bund, Länder und Kommunen unsere Betriebe unterstützen – durch Rechtssicherheit, durch frühzeitige Sprachförderung und vor allem durch den Abbau bürokratischer Hürden.“

In die gleiche Kerbe schlug auch Manfred Kurmann, Präsident der HWK Oldenburg. „Wir sollten die Flüchtlinge als Chance sehen: Sie können dabei helfen, unseren Bedarf an Fachkräften zu decken“, sagte er. „Sie werden aber nicht die Fachkräfte von morgen, sondern eher von übermorgen sein.“

Mit dem bundesweit einmaligen „Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber“ (IHAFA) wollen die niedersächsischen Handwerkskammern ihren Beitrag dazu leisten. Ziel sei die Vermittlung von Flüchtlingen in Ausbildung oder Umschulung zum Ausbildungsjahr 2016/17, sagte Kurmann. Die Oldenburger HWK habe eigens zwei Berater eingestellt.

Im Kammerbezirk werde angestrebt, dass 90 Flüchtlinge 2016 eine Ausbildung aufnehmen können, so Kurmann. Dazu solle es zunächst Kompetenzfeststellungen im Berufsbildungszentrum (BBZ) in Oldenburg-Tweelbäke sowie in den Werkstätten der Kreishandwerkerschaften Cloppenburg und Vechta geben. Diese sollen drei Wochen dauern. Gleich daran schließe sich ein fünfwöchiges Praktikum an. Die erste Gruppe mit 15 Personen starte im Februar mit einem Maler-, Metall- und Tischlerkursus.

Grundsätzlich beurteilte auch Kurmann die Situation des regionalen Handwerks positiv. Die Zufriedenheit mit Auftragslage und Umsätzen sei zuletzt abermals gestiegen. „Wir können uns über eine gute wirtschaftliche Lage freuen“, meinte er. Als erfreulich wertete er die Entwicklung bei den Ausbildungsplätzen. Bis Ende November lagen 2937 neue Lehrverträge vor – ein Plus von rund einem Prozent.

Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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